Vorwort
Das Österreichische Museum für Volkskunde ist in der glücklichenLage, für Sonderausstellungen aus seinen reichen Reserven schöpfen zukönnen. Das trifft besonders auf seine Sammlungen an Zeugnissen weih-nachtlicher Volkskunst zu. Einen Schwerpunkt bildeten dabei von Beginnan die Weihnachtskrippen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel stellt dieJaufenthaler Krippe dar. Sie war 1896 von den beiden MuseumsgründernMichael Haberlandt und Wilhelm Hein in Vill in Tirol für das neue Volks-kundemuseum in Wien erworben worden. Seither konnte die Sammlungum viele wertvolle Krippen vermehrt werden. Dadurch ist es möglich, jedesJahr neue, bisher noch nie oder schon lange nicht mehr gezeigte Schätzezu präsentieren. Sie erlaubt aber auch, rasch auf unvorhergesehene Situa-tionen zu reagieren, wie das heuer notwendig war.
Um die Reihe der traditionellen Weihnachtsausstellungen auch 1998fortzuführen, bemühte sich die Direktion, die großartige, kunsthistorischwertvolle Sammlung an Jesuskindfiguren von Frau Hiky Mayr aus GardoneRiviera nach Wien zu bringen. Ursprünglich war geplant, die Ausstellung,, Il Bambino Gesù. Italienische Jesuskindfiguren aus drei Jahrhunderten"im Volkskundemuseum in der Laudongasse zu zeigen, doch entschiedenwir uns über Wunsch von Frau Mayr für das Palais Harrach.
Um die Besucher im Gartenpalais Schönborn nicht zu enttäuschen,war eine rasche Ersatzlösung gefragt. Hier bot sich nun als Ergänzung eineAusstellung über das„ Gnadenreiche Jesulein" in der Andachtsgraphik an.Es galt dafür die berühmte Andachtsbildsammlung von Gustav Gugitz nachentsprechenden Sujets durchzusehen. Gustav Gugitz( 1874-1964), der imVerlaufe seiner umfassenden Wallfahrtsforschung die Andachtsbilder alswichtige Bildquelle entdeckt und zu erschließen begonnen hatte, trenntesich nämlich von seiner 7000 Bildchen umfassenden Sammlung, nachdemsie ihm als Grundlage für seine Standardwerke„ Das kleine Andachtsbild".( Wien 1950) und für das fünfbändige Werk über„ Österreichs Gnadenstät-ten in Kult und Brauch"( Wien 1955/58) gedient hatten.
Die Kuratorin der Graphiksammlung, Nora Czapka, unterzog sichmit Begeisterung der Aufgabe, für die Ausstellung Darstellungen mit dem,, Gnadenreichen Jesulein" auszuwählen und für den Katalog zu bearbeiten.Die Andachtsbildchen, die in dieser Zusammenschau erstmals gezeigt wer-den, führen deutlich vor Augen, daß die Jesuskindverehrung auch in Öster-reich einst einen bedeutenden Stellenwert besaß.
Abschließend sei allen am Zustandekommen der AusstellungBeteiligten herzlich gedankt. Dieser Dank sei zum Jahresende auch demBundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten ausge-sprochen, von dem das Museum die finanziellen Mittel zur Verfügunggestellt bekommt.
Franz Grieshofer
Direktor des Österreichischen Museums für Volkskunde
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