Einleitung
In der diesjährigen Wihnachtsausstellung soll nicht den eindrucks-vollen Szenerien der Krippen Beachtung geschenkt werden, sondern derVerehrung und Darstellung des Jesuskindes in den Illustrationen derAndachtsgraphik, vorzugsweise der kleinen Andachtsbilder, Wallfahrts-zettel und dergleichen. Mit dem Aufschwung des Wallfahrtswesens imZuge der Gegenreformation entwickelte sich das Andachtsbild zu seinerheutige Form als Devotionalbild. Zu Tausenden gedruckt, meist inGebetsbüchern aufbewahrt, blieben doch verhältnismäßig viele der kleinenBildchen erhalten und geben heute Zeugnis der Jesuskindverehrung ver-gangener Zeiten.
Im Barock kam es zur Gründung zahlreicher Jesuskindwallfahrts-stätten. Es ist interessant festzustellen, daß diese nur im altbayerisch- alt-österreichisch- schweizerischen Raum und in Südeuropa( Italien, iberischeHalbinsel) verbreitet sind. Im orthodoxen Osten sind Wallfahrten zumJesuskind unbekannt. Von den über zwanzig bekannten Christkindgnaden-bildern im österreichischen Raum lagen die meisten in Wien. Allerdingsführten die rigorosen Beschränkungen der josephinischen Reformen zumErlöschen etlicher dieser Wallfahrten. Am bekanntesten sind heute wohlnoch die Wallfahrten zum Salzburger Loreto- Kindl, zum Filzmooser- Kindlund zum Steyrer Christkindl. An einige, der einst oft blühenden Wallfahrts-stätten erinnern heute nur mehr die noch erhaltenen Andachtsbildchen.Unter den gnadenreichen Jesuskindern in den Nachbarländern nimmt vorallem das Prager Jesulein eine Sonderstellung ein, da Devotionalkopien desberühmten Prager Jesuleins zur Gründung neuer Wallfahrtsorte im öster-reichischen Raum führten.
In der Sonderausstellung über das gnadenreiche Jesuskind gebenüber 150 Andachtsbilder einen ikonographischen Überblick über die Ge-burt und die Kindheit des Jesuskindes, über die Heilserwartung an dasKind, sowie über die Gnadenorte mit Jesuskindverehrung. Dabei stellt die,in den Bestand der Andachtsgraphik des Österreichisches Museums fürVolkskunde eingegliederte Sammlung von Gustav Gugitz eine wertvolleGrundlage zur Dokumentation der Wallfahrtsstätten Österreichs im kleinenAndachtsbild dar. Ein weniger bekanntes Thema, das in der Ausstellungebenfalls angesprochen wird, sind die Glückwunschbildchen zur Jahres-wende mit dem Jesuskind als Neujahrsboten. In Ergänzung zu den An-dachtsbildchen dokumentieren Hinterglasbilder, Christkindfiguren und an-dere hausindustrielle und kunsthandwerkliche Zeugnisse die Jesuskindver-ehrung vergangener Zeiten.
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