Druckschrift 
Problematisieren und Sorgetragen : kulturanalytische Konzepte von Öffentlichkeit und Arbeitsweisen des Öffentlichmachens
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Gleitende Übergänge, unfertige Antworten, alternative Hegemonien

445

von Geschichte Hagemann u. a. sprechen hier davon, dass Frauenund Mädchen ihre eigene Geschichte vorenthalten werde." Hin-sichtlich des Aufbruchs der Frauenforschung ab den 1960er Jahren,zunächst in den USA, dann in Europa, kam den Geschichtswissen-schaften eine besondere Rolle zu. Seitens der volkskundlichen bzw.der EE/ EKW- Frauenforschung erfolgten Bezugnahmen auf vor die-sem disziplinären Hintergrund geschnürte Strategiebündel zunächstvor allem in Rekurs auf Karin Hausen und Barbara Duden, währendetwa der als Pionierin der internationalen Frauengeschichtsschrei-bung geltenden Historikerin Gerda Lerner kaum Aufmerksamkeitzukam. Erwähnt ist dies aufgrund Lerners sehr bekannt geworde-nem Credo Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eineGeschichte hat", mit dem sich eben nicht nur auf das Subjektivie-rungspotenzial auf Rezipient: innenseite hinweisen lässt: Implizitführt der Kernspruch auch mit, was sich Vermittelnde hinsichtlichder Effekte ihrer Arbeit erwarten dürfenwas potenziell wiederumauf deren Selbstverständnisse und verhältnisse( Schlaggkraft ihresTuns, Gestaltungsmacht etc.) wirksam wird/ werden kann. Andereunter den Vorzeichen Subjektivierungspotenziale und antagonisti-sche Konstellationen identifizierte Strategien waren z. B.: die Sicht-barmachung weiblicher Lebenszusammenhänge und Erfahrungen; 18die Plausibilisierung geschlechtlicher Diversität; der Schulterschlussmit den sogenannten Praktiker: innen und die Bildung von Kollek-tiven; die Erzeugung von bzw. das strategische Hantieren mit Brü-chen und Diskontinuitäten; die Ermöglichung von Erfahrung bzw.die explizite Hinwendung zum Partizipativen; 19 das Ansprechen von

16

17

18

19

Hagemann u. a.( wie Anm. 1), S. 57.

Gerda Lerner: Das Patriarchat ist am Ende. Gespräch mit Ursula Kubes.In: Stimme der Frau 7-8, 1992, S. 32.

Vgl. Carola Lipp: Überlegungen zur Methodendiskussion. Kulturanth-ropologische, sozialwissenschaftliche und historische Ansätze zur Erfor-schung der Geschlechterbeziehung. In: Arbeitsgruppe volkskundlicheFrauenforschung( Hg.): Frauenalltag- Frauenforschung. Beiträge zur 2.Tagung der Kommission Frauenforschung in der Deutschen Gesellschaftfür Volkskunde, Freiburg, 22. bis 25. Mai 1986. Frankfurt a. M. u. a. 1988,S. 29-46; Gerlinde Hauer, Roswitha Muttenthaler, Anna Schober u. a.( Hg.): Das inszenierte Geschlecht. Feministische Strategien im Museum,Wien u. a. 1997.

Vgl. hier Beispiele aus dem Wiener Volkskundemuseum: LukaszNieradzik, Elisabeth Timm: Familien machen- eine Ausstellung.