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Wege zum Nachbarn- Kooperationen?
Matthias Beitl, Wien- Kittsee/ Österreich
Den meisten Teilnehmern dieser Tagung wird das Ethnogra-phische Museum Schloss Kittsee mit seiner ständigen Präsentationzur Volkskunde Südosteuropas ein Begriff sein. Hier ist ein Aus-schnitt der sogenannten„ Ostsammlung"- in aktualisierter Sprach-form wohl mehr als Sammlung zur„, Volkskunde Mittel- und Südost-europas" oder„ Zentraleuropas" zu bezeichnen des Österreichi-schen Museums für Volkskunde in Wien präsentiert'. Die StandorteWien und Kittsee sind derzeit über Vereinsfunktionen miteinanderverknüpft, ein Umstand, der sich aller Voraussicht nach in Zukunftzu einer engeren Verbindung wandeln wird. Die Rolle Kittsees in-nerhalb dieser institutionellen Beziehung aber ist schon seit den spä-ten 70er Jahren bestimmt, indem man zahlreiche Ausstellungen aus,, Osteuropa vor der Wende" zeigte. Aus dieser Zeit und den folgen-den Jahren rührt auch so mancher Kontakt, der sich über Institutio-nen wie auch einzelne Personen fortgesetzt hat. Diese zunächst bila-teralen, über das Ausstellungswesen kommunizierten Beziehungenzu den Ländern des europäischen Ostens und Südostens hatten viel-leicht nicht den Charakter lebendiger Projektkultur, sie gaben aberden Blick frei auf eine Welt, die auch noch Jahre später in der westli-chen Forschung ihre Exotik Glossar ::: zum Glossareintrag Exotik nicht verloren hat.²
Mit dem Beginn der 1990er Jahre haben sich die Vorzeichendeutlich gewandelt. Die Wege zum Nachbarn waren nun im politi-schen Sinne geebnet. Die Aktivitäten der Museen, und da spreche ichuns selbst an, haben aber nicht mit dieser Entwicklung Schritt gehal-ten, auch wenn einige Aktivitäten vorzuweisen sind.
Ein wichtiger, allerdings gesamteuropäischer Impuls war si-cherlich die seinerzeitige Gründung von„ Net“ und seinem„ bulle-
1 siehe dazu auch: Peter Niedermüller: Ethnographie Osteuropas: Wissen, Repräsentation, Imagination. Thesen undÜberlegungen. In: Konrad Köstlin, Herbert Nikitsch( Hg.): Ethnographisches Wissen. Zu einer Kulturtechnik derModerne.(= Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde der Universität Wien Bd. 18) Wien 1999, S. 48.2Wie Anm. 1: S. 52,
vgl. auch: Karl Schlögel: Die Mitte liegt ostwärts. Europa im Übergang. Wien 2002. S. 249.