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Sammeln vor neuen Herausforderungen
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Franz Grieshofer, Wien/ Österreich
Für ein Museum, das auf eine 107jährige Geschichte zurück-blickt, ergeben sich heute andere Prioritäten als zur Gründerzeit. Dermuseologische Imperativ, wie er auch im Gesetz festgeschrieben istund bekanntlich als Aufgaben das Sammeln, Bewahren, Bearbeitenund Ausstellung vorsieht, hat in dieser Reihenfolge seine Gültigkeitverloren. Der Stellenwert der einzelnen Aufgaben hat sich gründlichverschoben.
Um im Wettbewerb mit anderen Institutionen bestehen zukönnen, unternahmen die Museen in den vergangenen Jahren ver-stärkt Anstrengungen, durch interessante und aufwendige Ausstel-lungen mehr und neues Publikum zu gewinnen. Die Museen öffnetenihre Tore für alle möglichen Events, ob Sommerball, das wöchentli-che Muschelessen( wie im Naturhistorischen Museum), Modeschauoder Firmenempfänge. Nicht zuletzt auch unter finanziellem Druckwandelte sich das Museum von einer Weihehalle zum Veranstal-tungsort, zu einer gesellschaftlichen Institution.
Neben dem Bemühen um eine verstärkte öffentliche Präsenzsehen sich die Museen aber auch in einem immer größeren Maße vordas Problem gestellt, die Bewahrung der umfangreichen Sammlun-gen zu gewährleisten. Diese Aufgabe bereitet uns zur Zeit großeSorgen und verlangt unseren vollen Einsatz. Wegen verschiedenerUmstände mussten wir innerhalb weniger Jahre einen Großteil unse-rer Sammlungsbestände mehrmals übersiedeln. Auch die neuenStandorte sind keineswegs ideal und bedürfen ständiger Adaptierun-gen, um nur einigermaßen den notwendigen klimatischen Erforder-nissen zu entsprechen. Hinzu kommt, dass für die notwendigen Kon-servierungs- und Restaurierungsmaßnahmen die entsprechendenpersonellen Ressourcen fehlen. Alle unsere diesbezüglichen Appellean das Ministerium blieben bisher ungehört.
In nächster Zeit werden unsere Kräfte vermehrt für die Bear-beitung unserer umfangreichen historischen Sammlung beanspruchtwerden. Es gilt nämlich, die Objekte neu zu erfassen. Hier stehen wir