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Die Museumssammlung - Sammlungsintention, Auswahlkriterien, Kontextualisierung : Inhalte und Strategien der vergangenen 10 Jahre sowie Zielsetzungen für die nächste Dekade ; Beiträge der II. Internationalen Konferenz der Ethnographischen Museen in Zentral- und Südosteuropa in Wien vom 18. - 21. September 2002
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Neue Herausforderungen an Museen in der Zeit der sozialenTransformation und das Forschen nach passenden Antworten

Zenoviy Mazuryk, Lviv/ Ukraine

In der Zeit der Transformation vom totalitären Staat zur offe-nen Zivilgesellschaft, die uns in der Ukraine jetzt zuteil wurde, ste-hen Museen in der Ukraine als bedeutende soziale Institutionen vorneuen, früher unbekannten und noch nicht erforschten Herausforde-rungen. Einerseits verschwand mit dem Niedergang der Sowjetuniondie für das totalitäre Regime übliche totale Kontrolle durch Staatsbe-hörden und damit auch die paternalistische staatliche Fürsorge. Dazuist noch die Rolle der quasiwissenschaftlichen Bedienung solcherideologischen Konzeptionen wie die neue Gemeinschaft- das Sow-jetvolk" oder die damit verbundene gemeinsame Wiege der brüder-lichen Völker" weggefallen. Das alles befreite Museen von der ideo-logischen Beschränktheit, öffnete neue noch nicht erforschte Räumeund schuf neue schöpferische Möglichkeiten für sie.

So ist die Zahl der Museen in der Ukraine von 214 im Jahre1990 auf 378 im Jahre 2000 gestiegen, darunter 34% sogenannteHeimatmuseen, die überwiegend ethnographische Sammlungen be-sitzen. Selbst im Gebiet von Lviv, wo 19% des ganzen Kulturerbesder Ukraine konzentriert sind, wurden 20 Museen eröffnet, auchständige Ausstellungen erneuert sowie neue geschaffen. Aber nur 5bis 7% der Sammlungen werden in den Ausstellungsräumen derMuseen gezeigt, und mit der Zahl der Museen bleibt die Ukraine mitnur sieben Museen pro 1 Million Einwohner noch weit hinter Russ-land zurück und besitzt 4 bis 5 mal weniger Museen als die meisteneuropäischen Staaten.

Mit der Änderung der Werte in der Gesellschaft suchen auchdie Museen als Institutionen, die mit Werten, Sinnen und Bedeutun-gen zu tun haben, neue Orientierungspunkte, die auf die humanitäreWerte der offenen Zivilgesellschaft, auf das Bewahren der ethni-schen, nationalen, kulturellen, geistigen Identifikation gerichtet sind.Diese Orientierungspunkte sind noch nicht konkret bestimmt, werdennoch nicht klar verstanden, um in den Ausstellungsräumen der Mu-