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Burgenländische Beiträge zur Volkskunde : die Vorträge der 6. Österreichischen Volkskundetagung in Eisenstadt 1951
Entstehung
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In all diesen wechselvollen Zeiten blieb indes die Lage der Stadt unver-ändert. Schon der übliche Zusatz ,, an der Donau" weist auf das wichtigsteMerkmal der Stadt, die Donau, hin. Strom bedeutet Straße und Grenzezugleich. Beide Rollen spielt denn auch die Donau in Oberösterreich seitgrauer Vorzeit. Sie bildet den wichtigsten europäischen West- Ost- Weg undzugleich eine natürliche Markscheide zwischen Nord und Süd. Zu diesenallgemeinen Vorteilen der Stromlage gesellen sich nun die besonderen Vor-züge des Linzer Brückenkopfes. Er bietet einen kurzen Donauübergang mithochwasserfreien Zufahrten auf beiden Ufern, von denen ganze Fächer vonNahverkehrswegen ausstrahlen. Auf dem Linzer Boden treffen zudem fünfkontinentale Großstraßen, außerdem Klima, Flora, Fauna, Volkstum, Kulturverschiedener europäischer Ausprägung zusammen. Die Hauptstadt Ober-österreichs erweist sich damit vorausbestimmt zu einer Drehscheibe desGroßhandels wie Großgewerbes und damit zur Großstadt.

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Als dritte und wichtigste Formkraft tritt nun die Bevölkerung nebenLage und Geschichte. Die Bevölkerung einer Stadt besteht indes nicht ein-fach aus der Summe der einzelnen Städter, vielmehr sind zwischen das Ein-zelwesen und die Gesamtheit Mehrheiten als Bindeglieder eingeschaltet.Solche Gemeinschaften oder Gruppen vermögen ihre Mitglieder durch oft-maliges, tiefes, gleiches Erleben so fest zusammenzuschmieden, daß vielleichteine gewaltsame äußere, aber keine innere Lösung mehr möglich wird.Jeder Städter gehört zeit seines Lebens vielen niemals aber allenbestehenden Gemeinschaften oder Gruppen an. Dadurch wird einmal demdauernden Überwiegen einer einzigen Gemeinschaft vorgebeugt. Alle dieseMehrheiten wie Familie, Kameradschaft, Ehe, Beruf, Sport, Verein, Glaube-hinterlassen untilgbare Spuren. In den Tiefen der Seele bestehen solcheBindungen weiter, jederzeit bereit, wieder ins Bewußtsein aufzusteigen. Dasgesamte Menschenleben verläuft damit im steten Banne der Gemeinschaften.Sie regeln durch ihr Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum die Kleinig- und Kleinlichkeiten des Alltags-lebens, die Gesetze bieten dafür nur den großen Rahmen; sie sind Träger,Hüter, Schöpfer, Gestalter aller Überlieferung; sie ordnen den Einzelnen indie Gesamtheit ein und bieten ihm gleichzeitig Rückendeckung; sie alleinbewahren die Gesellschaft vor Zerfall in anarchisches Chaos. Kein Wunder,daß bei allen Kulturvölkern den Urgemeinschaften überirdische Herkunftund göttlicher Schutz zugesprochen wurde.

Jeder Landbewohner, der in die Stadt zieht und dieser Vorgang wie-derholt sich immer wieder, seitdem es Städte gibt bringt einen prallenRucksack voll ländlichen Erbgutes mit. Dazu gehören vor allem die ländlichenoder Urgemeinschaften. Sie dauern zunächst auch in der Stadt weiter, sofernsie sich dort den veränderten Verhältnissen anzupassen vermögen. Jede Ge-meinschaft ist ja ein Organismus. Das Leben aber verlangt von jedemOrganismus die Rücksichtnahme auf seine Umwelt. Vermag eine Gemein-schaft dies nicht mehr, so stirbt sie ab; ebenso das von ihr bisher getrageneErbgut, sofern dieses nicht bereits in einer anderen Gemeinschaft eine neueHeimat fand.

Daneben tauchten nun in der Stadt auch ganz neue Gemeinschaften auf.Schon der mittelalterliche Städter unterschied sich nämlich ganz wesentlichvom Bauern. Blieb dieser als Grundholde an den Boden gebunden und demGrundherrn mehr oder weniger leibeigen, so wurde jener bald unabhängigund freizügig, denn Stadtluft machte ja frei. Der Landesfürst, welcher seiner

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