III.
Neue Siedlungsforschung mit besonderer Berücksichtigung des BurgenlandesVon Adalbert Klaar
Soll die Siedlungskunde ihren Beitrag zur Volkskunde leisten, so istauf einen Begriff besonderer Wert zu legen: Die Landschaft!
Damit ist nicht die Landschaft als malerischer, touristischer Begriff undWert zu verstehen, sondern die Landschaft als der Ausdruck einer mensch-lichen Kulturleistung; kurz, der Sinn und das Wesen der Kulturlandschaft.
Was dieser Begriff für die Volkskunde vom Gesichtspunkt der Bau-technik her, und nur von diesem aus wollen und können wir unsereheutigen Betrachtungen anstellen, bedeutet, ist bis auf die Hausbaukundeeigentlich noch sehr spärlich betrachtet worden. Dabei dürfen wir nichtübersehen, daß die Hausbaukunde in der Siedlungskunde eingebaut ist undhier wohl eine bedeutende Stellung einnimmt.
Es darf und kann für die gesamte Volkskunde nicht gleichgültig sein,wie das Haus, bzw. das Gehöft im Siedlungsraum steht; zu welchen Sied-lungsformen sich Haus oder Gehöft zusammenschließen und dadurch ver-schiedene Ortsplanformen einnehmen. In welcher Beziehung diese Ortsplan-formen, vor allem bei der bäuerlichen Besiedlung zu den Anlagen derArbeitsfelder stehen, die wir als die Flurformen bezeichnen. Zusammen-geschaut bilden diese drei Elemente der Siedlung, Haus-, Orts- und Flur-form erst den Begriff Siedlung und dies nicht nur in wirtschaftlicher oderin sozialer Beziehung, sondern sie vermitteln den kulturellen Stand desSiedlers, eines Volkes, bestimmter Länder, bestimmter Zeiten.
Die Landschaft, in der die Siedlungen Platz genommen haben, isteben durch bestimmt veranlagte, kulturell ausgerichtete Menschen in mühe-voller, jahrelanger Arbeit aus einer Naturlandschaft in eine Kulturland-schaft umgewandelt worden. Das beobachten wir bei jeder bäuerlichen Be-siedlung, sei es in den Alpen, wo die Streusiedlung in bestimmter planvollerForm die sonnseitigen Talhänge hinanklettert, sei es die Sammelsiedlungder Ebene, die landschaftgebunden Siedlungsplatz und Ackerflächen zusam-menstellt und wir beobachten die Gewalt der Landschaft in den Städten undMärkten, ja selbst bei der Großstadt, die die Landschaft nur als eine ArtVentilator betrachtet.
Immer treten bei den Siedlungsformen die drei Grundfaktoren zu Tage,welche engst mit dem landschaftlichen Gefüge eines Gebietes verbunden sindund wechselwirkende Kräfte spielen lassen: der Boden, das Klima und derSiedler. Die Auseinandersetzung des Siedlers mit den beiden Naturfaktoren,Boden und Klima, schafft die Kulturlandschaft. Die Eigenart der Siedlerwird sie jeweils anders bilden, wobei Zeit, Wirtschaft und soziale Lage ihrebestimmten wechsel vollen Einflüsse zur Geltung bringen. Hierin ist jedochschon ein Stück Volkskunde geboten.
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