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Burgenländische Beiträge zur Volkskunde : die Vorträge der 6. Österreichischen Volkskundetagung in Eisenstadt 1951
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Die historische Volkskunde des Burgenlandes

Von Josef K. Homma.

Wenn auch die Kultur eines Volkes in erster Linie Ausdruck seinereigenen Wesensart ist, so wird sie doch von den räumlichen und zeitlichengeographischen, historischen und ethnischen Faktoren der Landschaft selbst,aber auch jener ihrer Nachbarräume weitgehend bestimmt.

Räumlich gesehen ist Burgenland ein Grenzland, ein Grenzland ingeographischer, historisch- politischer und ethnischer Hinsicht. Hier, an derSchneidelinie alpiner Herbheit und pannonischer Wärme, am Völkerkorri-dor, der Nord und Süd am Alpenostrand verbindet, trafen sich in zeitlicherFolge die verschiedenen Nord- Süd-, besonders aber die West- und Ost-strömungen kultureller Art, bedingt durch den jeweiligen historisch- politi-schen Ablauf in und um den burgenländischen Raum. Mit dem Wechsel derVölkerschaften, die sich unseren Grenzraum zum Wohnsitz ausersehen,wandelte sich auch die Volkskultur, wenngleich immer einzelne Elementeder vorangegangenen Kulturerscheinung zurückgeblieben sein werden. Diesgilt indessen nicht für einzelne Ostvölker, wie Hunnen und Awaren, die alsEroberer das Land besetzten oder überrannten und die seẞhaften germani-schen Stämme, beziehungsweise altslawischen Völkerschaften ihren mate-riellen Interessen dienstbar zu machen verstanden.

Wohl aber fanden die Siedler Karls des Großen nach der Zurückdrängungder Awaren im heute burgenländischen Raum noch die Elemente der alt-slawischen Volkskultur, fanden noch einzelne Reste der kulturellen Hochzeitrömischen Provinzialismus, dem in unserem Raume Einflüsse der Kelten unddes Illyrertums die eigenartige Note gegeben hatten. Wenn auch die Zer-störung in den Jahrhunderten der Völkerwanderung groß gewesen, so stan-den doch noch die Zeugen alter Kultur in Trümmern und spärlichen Restenvor den deutschen Siedlern. Noch erhoben sich die Stätten befestigter Sied-lungen in den Burgstallbergen, wie wir solche noch heute im ganzen Raumbei Jois, Purbach, Donnerskirchen, Eisenstadt, Draßburg, Ödenburg, Stein-berg, Landsee, am Eisenberg und an anderen Orten kennen, noch waren diealten Kultstätten bei Donnerskirchen, am Veitsberg bei Güns, in Kroisbachund anderwärts nicht in Vergessenheit geraten, noch hafteten die NamenSavaria, Scarabantia, Ulmo und Carnuntum an den Trümmerfeldern derrömischen Militärstationen und Munizipien, noch klangen den neuen Siedlerndie zahlreichen topographischen Benennungen von Bergen, Flüssen, Flurenund Siedlungen in altslawischer Sprache ans Ohr.

Die Kontinuität der Siedlungsstätten seit den ältesten Zeiten im burgen-ländischen Raum hat bereits Barb in seiner Abhandlung im Burgenland-führer 1936 sowie in einzelnen Beiträgen in den Vierteljahrsheften und denBurgenländischen Heimatblättern nachgewiesen. In jüngster Zeit beschäftigtesich Schadn in Heft 9 der Burgenländischen Forschungen mit den Haus-

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