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Die Beziehungen zwischen dem südlichen Burgenland und der Oststeiermarkim Spiegel des Wallfahrtswesens
Von Hanns Koren
Zu diesem gestellten Thema sind noch viele Vorarbeiten zu leisten. Esist vorläufig nicht möglich, die in ihm enthaltenen Fragen mit fertigenResultaten zu beantworten, wir müssen uns vielmehr darauf beschränken,Einzelheiten aufzuführen und die aus ihnen sich ergebenden Forschungsauf-gaben anzudeuten.
Nehmen wir als Oststeiermark im engeren Sinn den vom Fluẞlauf derRaab bogenförmig umfaßten Gebietsteil der Steiermark an und beginnenwir ihn von Süden her nach Wallfahrtsorten abzusuchen, so kommen wirzuerst nach Klein- Maria Zell in Eichkögl, einer jungen legendenarmen Grün-dung des 19. Jahrhunderts ¹). In einem Seitengraben des Ritscheintales, zurPfarre Hartmannsdorf gehörig, liegt versteckt ein Ulrichsbründl, das nochimmer zahlreich besucht wird, während der vordem ungleich berühmtereUlrichsbrunn in Groß- Wilfersdorf 2) fast in Vergessenheit versunken ist. InSöchau wird nicht, wie es irrtümlich ausgesprochen wurde, der PfarrpatronSt. Veit wallfahrtsmäßig verehrt, wohl aber das in der Kirche aufgestellteMaria Zeller Gnadenbild 3). In Fürstenfeld ist die Augustinerkirche ein weit-hin geltendes Pilgerziel. Zwar ist die Verehrung des dort seit 1400 auf-gestellten Vesperbildes, vor dem man besonders bei anhaltender Dürre umRegen bat, längst nicht mehr nachzuweisen. Der heilige Augustinus selbststeht nach wie vor in großer Verehrung 4).
Das gotische Kirchlein St. Oswald in Gnies, Pfarre Sinabelkirchen, trittals Wallfahrtsziel hinter dem zweiten oststeirischen Oswaldheiligtum in derGasen stark zurück. Unser ganzes Gebiet ist übersät mit kleinen und imWald verborgenen Marienheiligtümern, die sich an Quellen gebildet habenund durchaus durch das beherrschende Motiv„ Bitte um Regen, um gutesWetter, um Segen für die Feldfrüchte" als echt bäuerliche Wallfahrten ge-kennzeichnet sind. Hieher gehört das Köckenbründl nahe dem Verbindungs-weg Nestelberg- Nestelbach in der Pfarre Ilz. In der Gemeinde Gschmeir liegtdie„ Schloapfenkapelle". In der Pfarre Anger findet sich die Grünbründl-kapelle, auch Gmoakapelle oder Gmoakreuz genannt, und das Gruab-bründl 5). Eine einst heilkräftige Quelle kommt auch unter der Kapelle Mariaam Kulm zutage. Ein Heiligenbrunn gibt es noch in der Nähe von Dechants-kirchen 6). Mariä Gnadenbrunn, die Pfarrkirche von Burgau, ist der Anlagenach noch zu erkennen, trat aber seine Geltung schon im 18. Jahrhundertder neuhingebauten Lorettokapelle ab, die selbst wieder der josephinischenAufhebung unterlegen ist 7). Bis in das 17. Jahrhundert zurück läßt sich die1787 mit Pfarrechten ausgestattete Kirche Maria Heilbrunn 8)( Bh. Weiz)zurück verfolgen, erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhieltMaria Fieberbründl regeren und aus weiterem Umkreis kommenden Zu-
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