Wissen wir doch, daß bestimmte Eigenarten des Bodens und des Klimasauf das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum ihren Einfluß nehmen. Es trifft dies nicht nur für dieBauweise zu, sondern auch im täglichen Leben der Bewohner und bei fest-lichen Zeiten. Wir dürfen nicht außer acht lassen, daß zeitlich bestimmteEinflüsse Umwandlungen und Veränderungen mit sich bringen und so all-mählich das Kulturlandschaftsbild verändern können und auch veränderthaben. Wir dürfen nie übersehen, daß wir es nicht mit einem erstarrtenKunst- oder Kulturgegenstand zu tun haben, sondern mit dem täglichen Leben.
Der Begriff Landschaft ist für die Volkskunde kein fremder. Es sei nurauf die Bezeichnung ,, Hauslandschaft" verwiesen. Vor allem ist er aber eingeographischer Begriff und man will damit die Umgrenzung und Beschrei-bung eines einheitlich ausgerichteten Gebietes darlegen. Der geographischeBegriff Landschaft stellt den morphologischen Bau eines Gebietes dar, dieklimatologischen Einflüsse werden verzeichnet, die Siedlungsstruktur in lage-mäßiger, verkehrsmäßiger, wirtschaftlicher und sozialer Struktur untersucht.
In jüngerer Zeit hat sich auch die Geschichtsforschung mit der Landschaftauseinandergesetzt und versucht, neben den politischen Begriff Landschaft,die zeitliche Entwicklung derselben in bezug auf Besitz- und Herrschafts-geschichte, Orts- und Flurnamenkunde, als Erklärung der Kulturlandschaftzu verwenden. Welche Bedeutung dies für das Wesen des Siedlers hat, istvolkskundlich besonders beachtbar. Eine richtig geführte Geschichtsforschungbestimmter Gebiete wird uns auch wichtige Aufklärung über Alter, Formund Standort der Siedlung selbst bringen können.
Endlich hat sich der Techniker mit der Kulturlandschaft zu befassen unddie Siedlungsformen der Orts-, Haus- und Flurtypen in ihrem siedlungs-technischen Gefüge klarzulegen. Er darf nicht nur den Gegenstand an sichbetrachten, wie dies leider dem Spezialistentum des Ingenieurs von denSchulen her eingelernt wird, sondern müßte wieder den gesamten Land-schaftsbegriff erkennen, der nicht nur das Werk an sich sieht, sondern dieFunktion des Werkes im Lebensraum.
Solche Betrachtungsweise für das Burgenland angewendet, läßt so rechtdie verschiedenen Einflüsse entgegengesetzter Landschaften in geographisch-geschichtlicher und technischer Beziehung erkennen. Die langgestreckte,ungleich breite Form dieses jungen Grenzlandes zeigt nochmals klar diewechselseitigen Einflüsse zweier Großlandschaften, nämlich dieser des alpi-nen Gebirgslandes und des pannonischen Ebenenlandes. Geschichtlich ge-sehen ist es ein wichtiger Grenzsaum des deutschen Siedelraumes der öster-reichischen Erblande und der deutsch beeinflußten Siedlungsgebiete Un-garns. Der Alpenraum ist hier rasch und oft unmittelbar zu Ende. Derpannonische Raum greift zum Teil schon in diesen Alpenraum ein und fließtim nördlichen Burgenland durch die drei Pforten in den niederösterreichi-schen Ebenenraum des Wiener Beckens und Marchfeldes hinein.
Daraus ergeben sich drei völlig in sich geschlossene Kulturlandschafts-
gruppen:
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I. Die nördliche, die Bezirke Neusiedl, Eisenstadt, Mattersburg umfassend,zum Teil den Neusiedlersee umschließend und gegen Niederösterreichdurch den Höhenzug des Leithagebirges getrennt. Die Ödenburger Senkebei Müllendorf, die Brucker Pforte an der Leitha bis Zurndorf und die