Druckschrift 
Istrien - Sichtweisen : Begleitbuch zur Ausstellung vom 27. Mai bis 14. Oktober 2001 im Ethnographischen Museum Schloss Kittsee, vom 26. Oktober 2001 bis 13. Jänner 2002 im Österreichischen Museum für Volkskunde, Wien und vom 5. April bis 31. Oktober 2002 im Etnografischen Museum Istriens, Pazin
Entstehung
Seite
89
Einzelbild herunterladen
 

Sichtweise: Istrien heute ,, von innen"

Nevena Škrbić

-

Heutzutage tauchen Begriffe wie, multikulturelle Halbinsel, istriani-scher Mikrokosmos",, istrianische convivenza"- Zusammenleben,, kulturelle Vielfalt sehr häufig in ethnologischen, historischen undliterarischen, aber auch alltäglichen Unterhaltungen in und überIstrien auf. Das ist nicht verwunderlich, da dieses relativ kleine Gebietdurch die Koexistenz zahlreicher Bevölkerungsgruppen gekenn-zeichnet ist, die sich selbst als etwas Besonderes definieren. MehrereFaktoren führen zur Gestaltung solcher geistiger Grenzen: Einwan-derung verschiedener ethnischer oder konfessioneller Gruppen ausdem Inneren Dalmatiens, aus Montenegro und Albanien seit dem15. Jahrhundert; die Errichtung von Staatsgrenzen innerhalb derHalbinsel wie die zwischen der Venezianischen Republik und Öster-reich, welche ethnisch homogene Gemeinschaften in verschiedenepolitische Körperschaften spaltete, und so weiter. Noch heute sind dieseTeilungen für die Bewohner Istriens eine sehr reale Angelegenheit.Diese Komplexität wird jedoch selten verstanden und richtig interpre-tiert, wenn das Bild Istriens vom Gesichtspunkt Außenstehender hergezeichnet wird. Manchmal wurde das Hauptaugenmerk auf denHybridismus des exotisierten und idealisierten Märchenlandes" ge-legt, wie unter der österreichischen Herrschaft, manchmal auf diekulturelle Einheitlichkeit, wie zur Zeit des italienischen und des jugo-slawischen Totalitarismus. All diese Reinterpretationen waren jedochin der Regel vereinfachend und einseitig.

Seit Kroatien in den 90er Jahren seine Unabhängigkeit als eigenerStaat erreicht hat, wurde eine neue Richtung bei der BeurteilungIstriens vorherrschend: Es sind nicht länger nur die Anderen", dieIstrien und seine Bewohner erklären und deuten; nun sind es dieIstrianer selbst, die ihr kulturelles Erbe für die Besucher interpretieren.Die Frage, die sich daraus ergibt, lautet: welches Bild Istriens bietendie hier Lebenden heute den österreichischen( und anderen vonaußen kommenden) Betrachtern?

Dies kann anhand des Phänomens der sogenannten echten istria-nischen Andenken" erörtert werden. Diese Erzeugnisse sind meis-tens von der traditionellen Kultur Istriens angeregt und kommen oftaus ländlichem Zusammenhang. Folgende Kategorien finden sicham häufigsten: Darstellungen von traditionellen Musikinstrumenten,Spielern und Tänzern; Puppen mit traditionellen Trachten; Modelle

89