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Istrien - Sichtweisen : Begleitbuch zur Ausstellung vom 27. Mai bis 14. Oktober 2001 im Ethnographischen Museum Schloss Kittsee, vom 26. Oktober 2001 bis 13. Jänner 2002 im Österreichischen Museum für Volkskunde, Wien und vom 5. April bis 31. Oktober 2002 im Etnografischen Museum Istriens, Pazin
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Sichtweise: Ethnographischer Blick II

Eine Reise in die lebendige Vergangenheit...Ethnographische Blicke auf Istrien

Elke- Nicole Kappus

Istrien gehört, so klein es ist, in ethnographischer Hinsicht zu deninteressantesten Ländern der österreichisch- ungarischen Monar-chie( Moser 1909)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde Istrien zunehmend zumReiseziel der wohlhabenden Gesellschaft der Monarchie. Aufgrunddes milden Klimas und der rauhen Schönheit der Natur schien dienordadriatische Halbinsel damals wie heute ein idealer Ort, um demLärm der Städte und der Unruhe des Alltags zu entfliehen. Die Fahrtnach Istrien war- dank des Ausbaus des österreichischen Eisen-bahnnetzes relativ einfach und vor allem für jene, welche überTriest reisten, voller spektakulärer Gegensätze: Der Freihafen derMonarchie galt als Inbegriff der schnellen, wandelbaren ,, modernen'Welt; von Istrien dagegen wurden die Reisenden nicht müde zubetonen, das Leben habe sich hier seit Jahrhunderten nicht verän-dert. In dem Maße, in dem gerade Triest² zum Sinnbild der modernenEntfremdung und Dekadenz wurde, erschien Istrien als ein Ort desNatürlichen, des Authentischen, des Erdverwurzelten. Eingeschrie-ben in diese für die Jahrhundertwende so typische Dichotomie vonTradition und Moderne, wurde Istrien zu einem Ort, der die nostalgi-schen Ideale der damaligen Zeit ebenso anzog, wie er die Befürwor-ter der Moderne als Inbegriff des, Hinterwäldlerischen' abschreckte.Auch die Ethnographen, die seit Mitte des Jahrhunderts Istrien durch-reisten und durchwanderten, waren von der Traditionalität und Au-thentizität Istriens angetan, wobei sie sich- mehr als für die Naturund das Klima für die Vielfalt der Kulturen, der Sprachen undLebensstile interessierten. Um die Jahrhundertwende wurden hiermit Begeisterung dreizehn ethnographische Nuancen" 3 festgestellt,1 Überarbeitete Version des Artikels: Einmal Vergangenheit und zurück... In:Plöckinger, V. und M. Beitl( Hg.): Istrien: Sichtweisen. Kittsee 2001, S. 31-45.

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2 Eine Höllenstadt, die Herzen und Gewissen zum Verkauf stellt... und- heute ausInteresse, morgen aus Feigheit, ihren Ursprung und ihre Nationalität verleugnet",beschreibt Ressman 1854 Triest( in: Apih 1988, S. 47).3,, Wir finden die Städte und die Küste bewohnt von Italienern, welche theils directeNachkommen der römischen und mit den Aborigiern vermengten Kolonialisten,theils die Söhne italienischer Einwanderer sind; die nördlichen Landschaften besetzt

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