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Istrien - Sichtweisen : Begleitbuch zur Ausstellung vom 27. Mai bis 14. Oktober 2001 im Ethnographischen Museum Schloss Kittsee, vom 26. Oktober 2001 bis 13. Jänner 2002 im Österreichischen Museum für Volkskunde, Wien und vom 5. April bis 31. Oktober 2002 im Etnografischen Museum Istriens, Pazin
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Sichtweise: Zwischenkriegszeit

Die Ära des Totalitarismus'

Darko Darovec

Durch den Vertrag von Rapallo( 12. November 1920) zwischen Italienund dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das ausdem freiwilligen Zusammenschluss mit dem Königreich Monteneground dem Königreich Serbien zu einem einheitlichen Staat entstandenwar, bekam Italien fast ganz Istrien und Triest zugesprochen, wäh-rend dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen nur die InselKrk und teilweise die Gemeinde Kastav zufiel. Die Unterzeichnungdes Vertrags von Rom( 27. Januar 1924) brachte neue Gebietsab-tretungen mit sich: In den Besitz Italiens kam auch die Stadt Rijeka,obwohl ursprünglich geplant gewesen war, dort einen selbständigenStaat zu errichten.

Italien hatte schon während der Besetzung( 1918–1920) mit derAssimilierung der Kroaten und Slowenen begonnen. In diesem Rah-men wurde nicht nur das Paziner Klassische Gymnasium, die PazinerLehrerinnenbildungsanstalt und das kleine Realgymnasium in Volos-ko( 1920) sowie die slowenischen und kroatischen Grundschulengeschlossen, sondern auch angesehene Slowenen und Kroaten inItalien, besonders auf Sardinien mehrere Monate unter Hausarrestgestellt. Darüber hinaus begingen die Faschisten- von den Behör-den ungehindert- Gewalttaten an der slowenischen und kroatischenBevölkerung in Istrien: So wurde zum Beispiel eines Nachts( 13. Juli1920) sowohl das nationale Kulturhaus in Pula als auch das in Triestin Brand gesetzt. Nach dem Anschluss von Julisch- Venetien undbesonders nach der Machtübernahme der Faschisten 1922 ver-schlechterte sich die Lage zusehends. Italien, weder durch die Frie-densverträge noch durch den Vertrag von Rapallo dazu verpflichtet,die Rechte der nationalen Minderheiten zu beachten, führte eineoffizielle Assimilierungspolitik gegenüber der nicht- italienischen Be-völkerung durch.

Seit der Besetzung( 1918-1920) wurde die slowenische und diekroatische Sprache aus Verwaltung und Gerichtswesen verdrängt.Im März 1923 ließ der Präfekt von Julisch- Venetien den Sprachge-

1 Aus: Darovec, Darko: Pregled istarske povijesti( Überblick über die GeschichteIstriens). C.A.S.H., Pula 19972, S. 83-85. Wir danken dem Autor für die Erlaubnis,diesen Abschnitt hier abzudrucken.

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