Sichtweise: Ethnographischer Blick I
Österreichische Ethnographen forschen und sammeln imIstrien der Jahrhundertwende
Veronika Plöckinger, Matthias Beitl
,, Nach Abbazia fuhr man nicht um Land und Leute kennenzulernen,sondern um sich einer Kur zu unterziehen oder dem feuchtkaltenWinter in Wien oder Budapest zu entgehen. Man wünschte einmöglichst ähnlich behagliches Leben wie zu Hause zu führenKontakt zur einheimischen Bevölkerung war somit nur in Ausnahme-fällen erwünscht."( Gottsmann 1998, S. 119) Einer dieser„ Ausnah-mefälle" war Baronin Stephanie Rubido- Zichy, die, eingebettet in dasadelige Gesellschaftsleben von Abbazia, vor allem an den materiel-len Erzeugnissen des Landes interessiert war. Ihr soziales Engagementdiente vor allem der„, freiwilligen Feuerwehr und Rettungsgesellschaft"von Abbazia: Sie organisierte einen Sammeltag sowie mehrere Lieder-und Walzerabende zu Gunsten der genannten Institutionen. Manchmalsetzte sie sich bei solchen Veranstaltungen auch persönlich an dasKlavier, spielte selbst komponierte Stücke, wie den Galopp„ Hoch dieRettungsgesellschaft“ und sang„ mit[ für eine ältere Dame] überra-schend frischer und wohlklingender Altstimme"( Kurzeitung 22.3.1913,S. 4; 31.3.1913, S. 5; 5.4.1913, S. 3; 14.2.1914, S. 3; 7.3.1914, S. 4;14.3.1914, S. 4 f). Ähnlich wie andere Damen der adeligen und großbür-gerlichen Gesellschaft der Jahrhundertwende- beispielsweise NatalieBruck- Auffenberg, Dalmatien( s. Bruck- Auffenberg 1910)- drückte sichihr volkskundliches Interesse in einer gewissen Sammelleidenschaftaus, und sie versuchte, die Aufmerksamkeit der Kurgäste auf diemateriellen Erzeugnisse des Landes zu lenken. Zu diesem Zweckveranstaltete sie anhand ihrer Sammlung beispielsweise eine„ Ausstel-lung antiker und moderner Werke istrischen und dalmatinischen Kunst-gewerbes" am ,, IV. Internationalen Kongress für Thalassotherapie" von28. bis 30. September 1908, zu dessen Ehrenkomitee sie auch zählte( AVA 1908). Und auf der„ Ersten Internationalen Jagdausstellung"1910 in Wien waren Stücke von Rubido- Zichy zu sehen, welche sieanschließend dem Österreichischen Museum für Volkskunde in Wienwidmete bzw. verkaufte. Im Landeskomitee Istrien, das sich für dieseAusstellung konstituierte, fanden sich wiederum angesehene Per-sönlichkeiten aus dem„, Abbazianer Kreis" wie der Kurvorsteher vonAbbazia, Dr. Julius Glax( Ausstellungskommission 1910, S. 35).
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