Sichtweise: Ethnographischer Blick III
Die Sammlung istrianischer Trachten des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde in Wien¹
Jelka Radauš- Ribarić
Die reichhaltigen und wertvollen Sammlungen des Wiener Volkskun-demuseums enthalten auch Bemerkenswertes aus dem Bereiche derAdriatischen Ostküste, d.h. aus Istrien, den Quarneroinseln undDalmatien. Diesem Gebiet galt schon seit den Anfängen der Sam-meltätigkeit dieses Museums reges Interesse sowohl bei den Pionie-ren der damaligen österreichischen Volkskunde, als auch bei privatenSammlerinnen und Sammlern von Volkskunst. Zu diesen erstenwissenschaftlichen Arbeiten beziehungsweise Sammeltätigkeitenauf dem Gebiete der Volkskunde zählt die erste Studienreise LudwigHans Fischers nach Istrien im Jahre 1896, die Studienreise MichaelHaberlandts( des Begründers und ersten Direktors des Wiener Volks-kundemuseums) im Jahre 1906 nach Istrien und Dalmatien undschließlich die Reise Natalie Bruck- Auffenbergs zur Erforschung derVolkskunst Dalmatiens. Dadurch angeregt begannen auch einheimi-sche Volkskundler mit dem Sammeln einschlägigen Materials undder Verarbeitung des Erkundeten. Durch derart geknüpfte Verbindun-gensowohl direkt als auch durch Vermittler- entstand im WienerVolkskundemuseum eine reichhaltige und wertvolle Kollektion vonGegenständen aus dem Gebiet der Adria, die hauptsächlich Schnitz-
-
1 Während eines Studienaufenthalts in Österreich im Jahre 1952( ermöglicht durchdie freundliche Vermittlung von Leopold Kretzenbacher) hatte ich die Gelegenheit,das Österreichische Museum für Volkskunde in Wien kennenzulernen und fest-stellen, welche Textilien aus Istrien und Dalmatien als Teilen der ehemaligenÖsterreichisch- Ungarischen Monarchie vorhanden sind. Meine Recherchen habeich auf die Volkstrachten Istriens beschränkt, die man zu dieser Zeit vor Ort noch inFamilienkisten finden konnte, wo sie für das Begräbnis aufbewahrt wurden, obwohlsie aus dem alltäglichen Gebrauch so gut wie verschwunden waren. Der Fundusan istrianischen Trachten, der während des Zweiten Weltkrieges in Sicherheitgebracht worden war, war im Jahr 1952 noch nicht richtig geordnet, konnte aber mitHilfe des damaligen Direktors des Museums, Dr. Leopold Schmidt, und seinerMitarbeiterinnen und Mitarbeiter größtenteils aufgefunden werden. Über die Er-gebnisse meiner Recherchen habe ich im darauffolgenden Jahr bei einem Treffender österreichischen Volkskundlerinnen und Volkskundler in St. Martin bei Grazberichtet. Dies war der erste Text aus meiner Studienzeit über die VolkstrachtenIstriens, mit dem ich mich auch in der an der Philosophischen Fakultät der UniversitätZagreb 1965 vorgelegten Doktorarbeit unter dem Titel„, Frauentracht auf der Halb-insel Istrien" weiter beschäftigte. In etwas erweiterter Fassung wurde die Arbeit imBuch„ Frauentracht in Istrien" erst 1997 in Pazin veröffentlicht.
49