Teile der Trachten sind die spezifischen einheimischen Benennun-gen außer acht gelassen, die oft wichtige Anhaltspunkte für diewissenschaftliche Bearbeitung bilden. Die in jenem Artikel angeführ-ten Angaben werde ich durch die notwendigsten Erläuterungen ver-vollständigen. Im Inventarverzeichnis des Wiener Museums sind dieGegenstände nur mit allgemeinen Benennungen versehen. Bei mei-nen folgenden Beschreibungen führe ich an erster Stelle die genann-ten allgemeinen Bezeichnungen, an zweiter Stelle die spezifischeneinheimischen Namen an.
Die Frauentracht aus der Ćićarija beziehungsweise laut FischersAngaben aus der Umgebung von Motovun( Montona)( Inventarnum-mer 2.293-2.300) besteht aus einem Hemd( košulja- stomanja)( Inv.-Nr. 2.294), gerade geschnitten wie eine Tunika mit Ärmeln; esbedeckt den Leib von den Schultern bis zu den Knöcheln. DurchFältelung des Halsausschnittes und des Ärmels an der Schulter undam Handgelenk ist dies eine istrianisch- küstenländische Variante dermittelalterlichen Dalmatika, dieses Grundelements der Frauentrachtim dinarischen Gebiet der Balkanhalbinsel. Nebst der Bezeichnungkošulja, spätlateinischen Ursprungs, begegnet man in Istrien für denselben Gegenstand auch dem Wort stomanja, verbreitet unter denälteren kroatischen Bewohnern der Halbinsel und der Quarneroin-seln. Stomanja entstand aus venetianisch stamagna, stamena, ital.stamigna: ,, tela ruda fatta di pelo di capra“( rauher Stoff aus Ziegen-haar). Demnach ist das Kleidungsstück nach dem Gewebe, aus demes verfertigt ist, benannt worden. Weiters gehört dazu ein„ Rock mitLeib" kotola( Inv.-Nr. 2.295), ein Kleidungsstück aus Fabriksgewe-be, das über dem Hemd getragen wird, das Oberteil ohne Armel,genannt bušt, und daran geheftet das Unterteil, das im Gürtel gefäl-telt ist. Dieses gehört der jüngsten Gestaltungsphase der istriani-schen Frauenkleidung an, eben jener, die den Übergang bildet vonder einstigen, im Hause angefertigten Wollkleidung zu dem Städte-rinnenkleid und dem völligen Verschwinden einer speziellen Volks-tracht. Das als Schürze bezeichnete Stück( Inv.-Nr. 2.296) ist eigent-lich kein Vortuch, sondern eine besondere Form des weiblichenOberkleides, worauf ich noch später zurückkomme. Der Spenser( Inv.-Nr. 2.297)- kamižolin genannt, ist ein kurzes, mit Ärmeln ver-sehenes Oberkleid aus dickem Hausstoff von natürlich dunkler Far-be. Es ist so geschnitten, dass es ganz anliegt, besonders amRücken, wo es im Gürtel drei wellenartige Falten aufweist. Das istseiner Form nach ein barockes Element, das erst allmählich ineinzelne Teile der früheren istrianischen Tracht eingegangen ist. DasBedecken des Kopfes mit dem facol- einem viereckigen weißenKopftuch mit einer weiß gestickten Ecke( Inv.-Nr. 2.293)- ist einespätere Form gegenüber dem einstigen Umwickeln des Kopfes mit
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