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Istrien: Sichtweisen : Begleitbuch zur Jahresausstellung 2001 im Ethnographischen Museum Schloss Kittsee vom 27. Mai bis 14. Oktober 2001 und vom 27. Oktober 2001 bis 27. Jänner 2002 im Österreichischen Museum für Volkskunde, Wien
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Sichtweisen: Politik

Soziokulturelle Reflexionen

Loredana Bogliun- Debeljuh

Eine Darstellung- wenn auch nur in Form eines Überblicks- einerso komplexen und vielfältigen Realität wie jener Istriens verlangt dochnach einer Annäherung, die nicht nur einfache Einleitung, sondernauch Interpretation sein muss. Es geht darum, sich mit einer spezi-fisch regionalen Problematik auseinander zu setzen, die sich hierunter dem Aspekt eines globalen kulturellen Phänomens präsentiert.Dies betrifft daher alle ihre charakteristischsten Dimensionen, sowohlauf kultureller als auch auf historisch- sozialer Ebene. Daraus ergibtsich eine Charakterisierung der istrianischen Völker oder vielmehrdes soziokulturellen Gepräges, das die Bewohner dieses Gebiets dergesamten istrianischen Gesellschaft verliehen haben.

Man muss Istrien als Land kennen und verstehen lernen, das derMagie seines antik gebliebenen Wesens verbunden ist, dem Geistseiner Leute verhaftet, die durch den Exodus zerstreut wurden, daszusehen musste, wie sich die historischen Zentren der Städte undDörfer entvölkerten. Die Region scheint davon auf fatale Weisegezeichnet zu sein, geradezu erschüttert von der gnadenlosen Auf-einanderfolge historischer Ereignisse, die das Schicksal ihrer Bevöl-kerung so jäh veränderten. Betroffen sind davon auch die Landschaft,die urbane Entwicklung, die Gewohnheiten der Menschen, und manmacht es sich zur Gewohnheit, Istrien als ein ungewisses, schwerfassbares Land zu durchreisen, zu präsentieren und zu erleben.Unter diesen Voraussetzungen erscheint Istrien als ein unerforschtesLand, das es Schritt für Schritt zu entdecken gilt und von dessenVergangenheit ein reiches Kulturgut Zeugnis ablegt. Die Betrachtungder architektonisch- landschaftlichen Besonderheiten fasziniert durchdie Diversität der Landschaften in den verschiedenen geographi-schen Gebieten und durch die so geringen Entfernungen zwischenKüste, Hügelland und Ebene. Die Umwelt ist noch unversehrt undbirgt einen geheimnisvollen Reiz, der die Möglichkeiten einer wiede-rentdeckten und erneuerten Beziehung zwischen Mensch und Naturerahnen läßt. Man sollte die Realität Istriens als eine Art Zwischen-bereich erleben und kennen lernen, als historisch und anthropo-geographisch betrachtet- Übergangsgebiet. Eine Analyse von Lan-desnatur, Klima, Biogeographie oder Bevölkerung der Halbinsel be-

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