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Istrien: Sichtweisen : Begleitbuch zur Jahresausstellung 2001 im Ethnographischen Museum Schloss Kittsee vom 27. Mai bis 14. Oktober 2001 und vom 27. Oktober 2001 bis 27. Jänner 2002 im Österreichischen Museum für Volkskunde, Wien
Entstehung
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wenige Jahre vor dem Ende der Monarchie konstatiert Moser: VomNorden gegen Süden hin, wie von West gegen Ost... eine auffallendeVerschiedenheit in der Bevölkerung in Sitten, Gebräuchen undTrachten, so dass wir förmlich eine Musterkarte vor uns haben... Fürden Ethnographen bleibt hier noch ein gewaltiges Stück Arbeit zurBewältigung."( Moser 1909, S. 24)

In der Folge soll das Interesse der Ethnographen an der Traditiona-lität und Heterogenität Istriens diskutiert werden. Dabei soll vor allemnachgezeichnet werden, durch welche wissenschaftlichen, gesell-schaftlichen und politischen Positionen der ethnographische Blick aufIstrien geprägt war und wie dieser Blick das Bild- und mitunter sogardie Realität- Istriens beeinflusste.

Istrien- Vielfalt der Kulturen, Sprachen, Lebensstile

Die immer wieder betonte Heterogenität der Kulturen, Sprachen undLebensstile im Istrien des 19. Jahrhunderts waren sowohl auf diejahrhundertelange politische Teilung der istrischen Halbinsel, alsauch auf zahlreiche Migrationen und mehrfache Kolonisierungen derRegion zurückzuführen. Sie war jedoch auch nicht zuletzt ein gene-relles Charakteristikum traditioneller agrarischer Gesellschaften.Während das Innere Istrien bereits seit dem 14. Jahrhundert alsKronland unter der Habsburger Herrschaft gestanden hatte, war dieKüstenregion seit dem 13. Jahrhundert Teil der Venezianischen Re-publik gewesen. Die Zugehörigkeit zu Venedig hatte über Jahrhun-derte die Entwicklung der Küstenstädte gefördert, deren Einwohnersich in Sprache und Lebensstil an der Dominante orientierten. ImInneren Istriens hatten sich dagegen unter den, deutschen Herren'kaum urbane oder kulturelle Zentren gebildet. Hier lebten die Bauernvor allem slawischer Sprache( n) fest eingebunden in eine feudale,lokal definierte Welt. Die politisch unterschiedliche Entwicklung hattesomit auch zu strukturellen und kulturellen Unterschieden der Regio-nen geführt. Zahlreiche Kriege, häufige Naturkatastrophen und dieimmer wiederkehrende Pest hatten die Bevölkerung der Halbinsel imLaufe der Jahrhunderte außerdem so drastisch dezimiert, dass dievenezianischen Verwalter ebenso wie die Habsburger Herren sich

Gegenden des westlichen Balkans, theils nach ihrer Urheimat( Montenegriner,Bochesen, Albanesen), theils nach ihrer Sprechweise( Fučki, Bezjaken) benannt,theils schlichtweg als Flüchtlinge( Uskoken) bezeichnet, während alle diese Stämmezum Unterschied von den östlich von der Arsa in geschlossenen Wohngebietenlebenden Kroaten unter dem Namen Morlakken zusammengefasst werden; amWestabhang des Monte Maggiore findet sich eine rumänische Colonie und imunwirtlichen Hochlande die Wohnsitze der räthselhaften Tschitschen."( Stradner1897, S. 111)