Die Huzulen in der Literatur
Alois Woldan
Kaum eine andere ethnische Gruppe aus Ostgalizien hat eine derartigeliterarische Karriere aufzuweisen wie die Huzulen, die neben den Judenwohl am meisten die Aufmerksamkeit von Reisenden, Schriftstellern,Künstlern und Wissenschaftlern auf sich gezogen haben. Dazu hat zwei-fellos das Siedlungsgebiet dieser„ Tiroler des Ostens" beigetragen, dieunwirtliche Gebirgslandschaft der östlichen Karpaten, die dem Reisendenden Übergang von Galizien und der Bukowina nach Ungarn undRumänien erschwerten. Die exotische Glossar ::: zum Glossareintrag exotische natürliche Kulisse förderte dasInteresse auch an deren Bewohnern, die wiederum ihrer angestammtenBergwelt in nichts nachstanden, was den elementaren Charakter ihrerSitten und Gebräuche angeht. Dabei ist allerdings festzustellen, daß dieBeschreibung der Huzulen lange Zeit mit der Legendenbildung Hand inHand ging, so daß Beobachtung und Fiktion einander ergänzten undbeeinflußten. Erst an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert verwahrtesich die auf einem neuen Wissenschaftsverständnis beruhendeEthnographie gegen einen derartigen Synkretismus und setzte mit einerklaren Trennung zwischen empirischer Forschung und tradiertenLegenden einen Neuanfang in der wissenschaftlichen Erforschung derHuzulen.
Als spezifisch galizisches Phänomen haben die Huzulen ihrenNiederschlag in drei Literaturen gefunden, die in den gebräuchlichstenSprachen dieses Kronlands entstanden sind- der deutschen, derpolnischen und der ukrainischen, welche in österreichischer Zeit zumeistals die, ruthenische" Sprache bezeichnet wurde. So bilden die Huzulenauch eine wichtige motivische Schnittstelle, an der die erwähntenNationalliteraturen konvergieren und somit einen Hinweis auf eine ein-heitliche„ Galizienliteratur" liefern, die sich verschiedener sprachlicherIdiome bedienen kann, ohne deshalb nur Bestandteil der jeweiligenNationalliteratur zu sein. Auf dem Hintergrund des multikulturellenLebens in Galizien verwundert es nicht, daß auch die den Huzulen
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