Die Bedeutung des Ausstellungswesensfür die Entwicklung der Ethnographiein Galizien und Wien
Franz Grieshofer
Von der Gewerbeausstellung
zur nationalen Hausindustrie- Abteilungauf der Weltausstellung in Wien
Das 19. Jahrhundert kann mit einer Reihe von Etikettierungen aufwarten.Sehr treffend mutet darunter jene an, die von einem Jahrhundert derAusstellungen spricht. Nachdem bereits 1791 in Prag die ersteGewerbeausstellung stattgefunden hatte, setzte in der Folge geradezuein Boom an derartigen Ausstellungen ein. Noch in der ersten Hälfte des19. Jahrhunderts wurden innerhalb der Monarchie in den Jahren 1828,1829, 1831, 1833 und 1836 in Prag, 1833 und 1836 in Brünn, 1838 inKlagenfurt, 1841 in Graz, 1844 in Laibach, und 1847 in Linz größereGewerbeausstellungen veranstaltet. Im Wettstreit mit den führendenIndustrieländern England und Frankreich sollte mit diesen Ausstellungendie Leistungsfähigkeit des heimischen Gewerbes und der Industrie unterBeweis gestellt werden.
Einen ersten Höhepunkt in dieser Hinsicht bildete die Industrie- undGewerbsprodukten- Ausstellung des Jahres 1835 in der Reitschule derWiener Hofburg.( Abb. 1) Sie ging auf eine Anregung Kaiser Franz I.zurück, der die Durchführung allerdings selbst nicht mehr erlebte.2Dieser Ausstellung, der in Wien 1839 und 1845 weitere großeGewerbeausstellungen folgten, war 1807 die Errichtung einesFabriksprodukten- Kabinettes vorausgegangen. Franz I. hatte dieSammlung von Erzeugnissen des Industrie- und Gewerbefleißesbeschlossen," um dadurch jedermann in den Stand zu setzen, sich eineallgemeine Uibersicht dessen, was in Meinen Erbstaaten in diesen
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