ukrainische Frauen und Männer, in Polen erworbene Billigtextilien undandere Produkte aller Art zu verkaufen. Sie bilden ein langes Spalier,durch das sich der Marktbesucher an den jeweils hochgehaltenenPullovern und Socken und Hosen und Kleidern vorbeiarbeiten muß. Esist aber kein lustiger, leuchtender Markt, keiner, der für Romantisierungengeeignet ist. Er wirkt trotz der vielfältigen Waren eigenartig grau. Manspürt, daß die hier verkaufenden Menschen keine gelernten und keine„, geborenen" Händler sind. Sie müssen, weil es sonst keine Arbeit undkein Einkommen gibt. Sie tun es nicht, weil sie es immer schon getanhaben und weil ihre Eltern und Großeltern es auch immer schon getanhaben.
Die sowjetisch/ sozialistisch verordnete Industrialisierung hat auchDrohobyč zu einer Industriestadt werden lassen. Petroleumindustrie undFahrzeugbau bilden das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt. DieLandflucht hat großen Bedarf an Wohnraum geschaffen, der auf ziem-lich brachiale Art und Weise befriedigt wurde und wird. Ein Kranz vonSatellitenstädten umgibt auch solch kleine Städte wie Drohobyč.Darüber hinaus ist es mit Boryslav, dem„, Pennsylvania des Ostens", zueinem eher gesichtslosen Siedlungsbrei mit der beherrschendenRaffinerie in der Mitte zusammengewachsen.
Und doch: die galizischen Kleinstädte sind faszinierend, faszinierendgleich. Ihr Herz scheint überall gleich: der Ringplatz, in der Nähe einepolnische Kathedrale, eine ukrainische Kirche und früher eine Synagoge( in Drohobyc wurde sie kurzerhand zu einem Möbellager entwürdigt).Dazu kommen Bahnhof, Postamt und das eine oder andere Verwaltungs-oder Schulgebäude und fertig ist die Erinnerung an„ za Avstriju"- unterÖsterreich. In Sambir, in Drohobyč, in Stryj, in Kolomyja, in Brody und inČortkov ebenso wie in Mistelbach und Mikulov.
Südlich von Drohobyč geht es in die Karpaten.
Hier ist die Besiedlung weniger dicht als in den Ebenen. Entlang derverschiedenen Flußtäler ziehen sich die Dörfer der Bojken. Die Bergeerlauben nur wenig Ackerbau, die Viehzucht dominiert.
Die Dörfer sind extrem langgezogen, es gibt kaum ein Zentrum, allenfallsden Ort, an dem Kirche und Klub, Schule und Geschäft nebeneinanderliegen. Die Häuser liegen am Talgrund, und fast alle sind sie aus Holz.Die Gärten und die Äcker ziehen sich die sanften Berghänge hinauf, obensind die Weideflächen. Große, übergroße Herden der örtlichen, heute
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