Wiener Neustädter Militärakademie besucht und zunächst bei den Feld-jägern, dann bei der Marine- Infanterie gedient. Über die ihm vorgezeich-nete Offizierslaufbahn trug jedoch die von ihm verspürte Berufung zurWissenschaft den Sieg davon: Er wurde 1870 Professor an der Marine-Akademie, an der er bereits seit 1866 gewirkt hatte, und lehrte dortGeschichte und Geographie, begann sich aber darüber hinaus baldintensiv mit Meeresphysik zu beschäftigen. Seine der Erforschung derphysikalischen Verhältnisse der Adria gewidmeten Reisen und Publika-tionen trugen ihm auch die Berufung in den wissenschaftlichen Stab derösterreichisch- ungarischen Tiefsee- Expeditionen ein. 14 Innerhalb desStabes war er in gewisser Hinsicht Widerpart Steindachners: Im Vereinmit dem Schiffskommandanten, Fregattenkapitän Wilhelm Mörth, mitdem ihn die gemeinsame Zugehörigkeit zur Kriegsmarine verband,suchte er das Schwergewicht der wissenschaftlichen Arbeiten der Mee-resphysik, vor allem aber den Lotungen, zuzuwenden; bei Mörth fand erdafür nicht zuletzt auch deshalb ein offenes Ohr, weil ihm die langwieri-gen und sehr exaktes, kleinräumiges Navigieren erfordernden Dred-schungen, also Schleppnetzzüge zur Erkundung der benthischen Fau-na, nicht eben angenehm waren;„, our, bête noire" hatte sie schon einOffizier der ,, Challenger" genannt! 15 Auseinandersetzungen dieser Art imVerlauf der ersten Expedition waren der Hauptgrund dafür gewesen,warum Steindachner von 1891 an selbst die wissenschaftliche Leitungübernommen hatte, konnte er doch so seine Autorität als hoher Staats-beamter und Akademiemitglied im Interesse einer ausgewogenen Ver-teilung der Tiefseearbeiten einsetzen.
Von diesen Auseinandersetzungen kaum betroffen war der Chemikerdes wissenschaftlichen Stabes, den indes enge persönliche Bande mitSteindachner verknüpften, gehörten beide doch demselben sozialenMilieu des Wiener Bildungsbürgertums an, Konrad Natterer( 1860 Marz,Komitat Ödenburg- 1901 Wien). Natterer hatte an der Wiener UniversitätPhysik und Chemie studiert und war 1884 Assistent seines Lehrers, desbedeutenden Chemikers Adolf Lieben, geworden, der ihn auch zurTeilnahme an den österreichisch- ungarischen Tiefsee- Expeditionen vor-schlug. Natterer habilitierte sich 1892 und wurde 1899 Extraordinariusan Liebens Institut. Als Meereschemiker erbrachte er Pionierleistungen,insbesondere in der Bestimmung des Gehalts des Meerwassers anSauerstoff, Stickstoffverbindungen und gelöster organischer Substanz,die ihm internationales Ansehen verschafften.16
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