Vom Christholz, der erlenblättrigen Eiche und demSchaum der Aphrodite
H. Walter Lack
1. Einleitung
Die botanische Erforschung des Osmanischen Reiches, dem mehr alsdrei Jahrhunderte lang auch Zypern angehörte, war im Wesentlichen dieLeistung von Naturforschern und Ärzten, die dieses Gebiet zwar berei-sten, aber außerhalb seiner Grenzen wirkten und ihre Ergebnisse auchdort veröffentlichten. An diesem weit gespannten Vorhaben waren Ge-lehrte aus mehreren Staaten beteiligt- aus Frankreich, England, derSchweiz und dem späteren Deutschen Reich ebenso wie aus Rußland,Schweden und Dänemark, wobei eine wesentliche Rolle Naturforschernaus den Ländern des Hauses Habsburg zukam, einem Gebiet, dasentlang einer viele Hunderte Kilometer langen, sich immer wieder ver-schiebenden Linie an das Osmanische Reich grenzte und, trotzzahlreicher Konflikte, stets vielfältige Kontakte mit der Hohen Pforteunterhielt.
In besonders hohem Maße gilt dies für die Erforschung der PflanzenweltZyperns: Während des letzten Jahrhunderts der osmanischen Herr-schaft im engeren Sinne, die mit der Übernahme der Verwaltung derInsel durch Großbritannien im Jahre 1878 endete, wurde deren Flora vonzwei Reisenden mit zuvor nicht erreichter Genauigkeit erforscht, dievon Wien in die Levante aufgebrochen waren- Theodor Kotschy undFranz Unger. Ihnen sind nicht nur reiche botanische Sammlungen,sondern auch die erste umfassende Darstellung der Flora Zyperns zuverdanken, erschienen in ihrem breit angelegten Bericht Die InselCypern ihrer physischen und organischen Natur nach mit Rücksichtauf ihre frühere Geschichte geschildert, Wien, 1865, einem Werk, indem auch die Fauna, Geologie, Mineralogie, Hydrographie und Me-teorologie dieses Gebiets dargestellt werden. Th. Kotschy und F.Unger vorausgegangen war Ferdinand Bauer, der als Illustrator einenenglischen Arzt und Naturforscher auf dessen Reise in die Levantebegleitet hatte, die ebenfalls in Wien begann und einen Aufenthalt aufZypern einschloß.
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