Druckschrift 
Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
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Kostüm des Bezirkes Brody( Ostgalizien) beim Spinnen vonFlachs, rechts, stehend, die Huzulin beim Spinnen von Wolle. Esist dies der bedeutendste Ausdruck für die fast totale Autarkie dergalizischen Bevölkerung. Die Textilerzeugung im Hausbetriebumfaßt das gesamte Spektrum der Arbeit von der Gewinnung desAusgangsmaterials für den Faden über die Gewinnung und Mi-schung der pflanzlichen Farben, den Färbeprozeß und schließlichdie Herstellung der mannigfaltigen Gewebe. Das augenfälligsteEndprodukt stellen die Trachten der sehr unterschiedlichenVolksgruppen in ihrer reichen Variabilität dar.( ÖUM, 529 f.)

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Julian MAKAREWICZ

Hausindustrielle Gegenstände: Krüge, Schüsseln,bemalte Eier etc.

sig. J. Makarewicz"

Tuschzeichnung

30,6 cm x 21,5 cmPk 1131/1368Lit.: ÖUM, 531

Die Randleiste in Form eines Schüsselbordes setzt die Liste derautarken Kulturleistungen der galizischen Volksgruppen fort( siehe vorhergehendes Bild von J. Makarewicz zur Hausindustrie).In der Mitte des Bordes sind drei ornamentierte Tonschüsseln ausden Orten Kołaczyce, Kolomea( mit vornehmlich huzulischemBevölkerungsanteil) und Pistyń zur Schau gestellt. Flankiert wer-den diese von zwei Krügen: links, mit Malteserkreuz geziert, einKrug aus Brzostek in Westgalizien; rechts der Krug mit rutheni-schem Kreuz von den Huzulen aus Kosów( Ostgalizien). Unterden Schüsseln hängen drei ornamentierte Krüge, unter anderemeine Bauke" aus dem Bezirk Sokal( Ostgalizien). Rechts nebenden Krügen hängen zwei beschnitzte Holzlöffel, von Gebirgsbe-wohnern erzeugt, an dem Bord. Links hängen zwei ,, Halsketten"aus Metall: ein Kreuzkollier der Huzulenfrauen umrahmt dasgroße Kreuz, das von Huzulenmännern bei Kosów getragenwurde.

Salz und Eisen( Metall) waren die einzigen Produkte, die nicht inAutarkie erzeugt werden konnten, sie mußten für bares Geld er-worben werden. Dennoch gab es in jedem Dorf einen Schmied,der sein Handwerk gewöhnlich auf den Sohn tradierte und ihmdie Schmiede vererbte. Es existierten auch alte Kolonien von Me-tallarbeitern in Westgalizien. Eine eigentümliche, uralte Metall-technik findet sich bei den Huzulen in Ostgalizien. Sie verfertigenselbst den zu ihrer Tracht nötigen Schmuck aus Messing. Sie tra-gen Kreuze auf der Brust: die Frauen deren mehrere von verschie-dener Größe reihenweise an einer Kette, die Männer gewöhnlichnur ein größeres an einer Kette.( ÖUM, 536)

Links vom Bord verläuft eine vertikale Leiste mit einer Anzahl ver-schieden ornamentierter Ostereier aus Ost- und Westgalizien.Diese Arbeit wurde ausschließlich von Frauen durchgeführt.- Essind prinzipiell zwei Arten von Ostereiern zu unterscheiden: diemit einer einzigen Farbe, ohne Muster gefärbten kraszanki"( ge-färbte) und die mit mehreren Farben und verschiedenen Musternbemalten, vielmehr, beschriebenen pisanki. Generell kann diezweite Art, die pisanki, als die für Ostgalizien gebräuchlicherebezeichnet werden.( ÖUM, 537)

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Julius MAKAREWICZ

Bauernbandmühle mit Brandtechnik- Ornamenten, großerstrobgeflochtener Kornbehälter, schilfgeflochtene Körbchensig. J. Makarewicz"Aquarell( Grisaille)19,2 cm x 22,2 cm

Pk 1131/1369Lit.: ÖUM, 538

J.MAKAYEwicz

Das Schlußbild von Makarewicz geht nochmals auf Holz- undFlechtarbeiten ein. Er zeigt Geräte auf, die in irgendeiner Weisemit der Nahrungsgewinnung zu tun haben. Die Bauernhandmüh-le stellt bereits ein mit Mechanik ausgestattes Gerät dar, das den-noch durch Brandornamentik verziert wurde. Ein großer, ausStroh geflochtener Korb dient zur Aufbewahrung von Korn.Davor eine aus Schilf geflochtene kobiałka"( Korb) bzw. zweiKörbchen und eine Tasche mit Henkeln, möglicherweise aus Wei-dengeflecht, die das Bild abrunden. Wo Teiche oder Flüsse mitSchilf bewachsen sind, werden Schilfkörbe gemacht, die bei demLandvolke sehr beliebt sind. Auch sie wechseln in der Form. VonStroh und Weidenruten oder Bindfaden zusammengehalten, wer-den verschiedene Körbe, Tonnen etc. verfertigt, in denen manwerthvollere Getreidesamen, gewöhnlich Hülsenfrüchte aufbe-wahrt."( ÖUM, 535)

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Zygmunt AJDUKIEWICZEin ruthenischer Leierspieler

sig. AZ"Ölskizze( Grisaille)

36,2 cm x 27,1 cmPk 1131/35

Lit.: ÖUM, 543

Abb. im Bildteil

Eine Impression aus ruthenischem Gebiet, die viele Assoziationenzu wecken versteht. Der Troubadour" mit Drehleier vor der grie-chisch- katholischen Kirche in ihrer ländlichen Form, in Holzbau-weise. Hier ist Tradition schlechthin angesprochen. Der lyrnik",ein Wandersänger, Bettelsänger, der auf allen Kirchweihfestenanzutreffen ist, spielt auf seiner Leier und singt dazu fromme Lie-der. Er steht in der Tradition der alten kaleki und ślepcy", diebereits im 11. Jahrhundert eine Zunft bildeten, reicht aber nichtan ihre Bedeutung heran.( Ihnen verdankt das ruthenische Volks-lied seine Ausbildung, sie galten als wandernde Lehrer des Saiten-spiels, des Gesanges, der Poesie und des Tanzes. Ihr Instrumentwar die Gusla.) Die lyrniki" zeichnen sich durch einen eigentüm-lichen Typus aus und durch die Würde, mit der sie ihre Kunst aus-üben. Auf den Kirchmessen schart sich das Volk um diese ver-kommenen nationalen Sänger und bringt ihnen Almosen undSympathien entgegen".( ÖUM, 547) Die Drehleier entspricht mitihren Bezeichnungen als Bauernleier oder Bettlerleier" durch-aus dem Status dieses Mannes. Sie ist auch als Radleier" zu be-nennen.: Die über den violinförmigen Resonanzkasten gespann-ten Saiten werden durch ein mit einer Kurbel gedrehtes, harzbe-strichenes Rad zum Klingen gebracht. Sie ist dreisaitig, besitzt je-doch eine vollkommene Skala. Vermittels der Kurbel werden dieSaiten gezwickt, während die linke Hand durch das Andrückenmit den Fingern entsprechende Töne zur Geltung bringt. DieLeier ist noch jetzt[ 1898] überall im Gebrauch."( ÖUM, 547)Die Ausstattung des dargestellten Lyrnik ist der der kaleki" und ślepcy" zu vergleichen.: Ein breiter Hut, ein breiter Mantel, ein

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