die Tatsache, daß die Autoren des Textes und die„ Urheber" derBilder nicht ident sind und auch nicht wenigstens dasselbe Ge-schehen gleichzeitig dokumentieren. Die Bilder sind Auftragzum Teil mit wissenschaftlicher Photovorlage und sie entsprin-gen nicht einem eigenen Forschungsinteresse. Das bringt aller-dings eine sachbezogene Bindung und schränkt das freiekünstlerische Fabulieren ein. Bild und Text sind im Werk syn-chronisiert. Es handelt sich um unabhängig voneinander er-stellte Informationen aus individuell unterschiedlichen Erleb-niswelten. Im Text finden sich kaum den vorgegebenen Bild-inhalt exakt beschreibende Passagen. Auch im Druck sind dieBilder nur selten unmittelbar neben den entsprechenden Textgesetzt, sondern etwas weiter davon im Band verstreut.
Manche Thematik der Bilddarstellung kehrt in ande-ren Zeugnissen der Zeit wieder oder geht ihr überhaupt voraus.So findet sich in einem Album, das Kronprinz Rudolf anläßlichseiner Vermählung erhalten hat, die Darstellung eines Hoch-zeitszuges der Huzulen vor Kaiser Franz Joseph von TadeuszRybkowski, 1881. Die Aquarelle der„ Bauernhochzeit in derGegend von Krakau“ von Anton Kozakiewicz, 1881, und vom,, Pferdemarkt in Krakau" von Juliusz Kossak, 1881, oder die„ Barbarakirche in Krakau“ von Hipolit Lipiński, 1881, vondenen Karl Ritter von Siegl die Kopien für das Kronprinzen-werk angefertigt hat, waren Teil eines Hochzeitsgeschenks fürKronprinz Rudolf. Die Darstellung von Huzulen war ein belieb-tes Thema in der Photographie. Auch die Pruthbrücke als ar-chitektonische Meisterleistung polnischer Eisenbahnbaukunstwurde gerne abgebildet.
Wollten wir Bild und Text als gesonderte Informati-onsträger betrachten, so zeigt das Bild vordergründig undohne begleitenden Text kaum Problematik auf. Die ärmlich ge-kleideten Goralen, mit einem verschwiegenen Loch am Ärmeloder Flicken am Knie der Hose sind noch immer schön undvertraut gesehen. Besonders im Bild werden fast unveränderli-che Tatsachen festgehalten, nationale Standards gezeigt unddie Liebe zum Land in einer gewissen Romantik dokumentiert.
In der Analyse dieses, die nationale Vielfalt beson-ders würdigenden Werkes soll die spezielle ethnische Dyna-mik, die in der geographischen Lage Galiziens begründet liegt,
nicht übersehen werden. In seiner Quererstreckung setzte sichdas Land, als ehemaliger Teil des großen Polens, aus Grenzpro-vinzen zwischen Ost und West zusammen. Es grenzte einerseitsan Länder im Einflußbereich des Osmanischen Reiches, ande-rerseits an den Machtbereich der römischen und deutschenKaiser.„ Durch... Galizien führte fast der kürzeste Weg vonOsten nach Westen." Es war daher wiederholt Kriegsschauplatzder verschiedensten„ Völkerschaften aus der Mongolei, Ruß-land, Schweden, der Moldau und Walachei u.s.w." Dabei wur-den ganze Bevölkerungsgruppen, besonders aus Podolien, alsSklaven weggeführt. Als Ersatz siedelte man in den entvölker-ten Gebieten Kriegsgefangene und Nachzügler aus Ost undWest an und integrierte sie. Es fanden sich aber auch„, Kolonienvon Mazuren, Kozaken, Tataren, Schweden, Lithauern, Deut-schen, Walachen, Türken u.s.w.“ Das hatte seine Auswirkungenauf die kulturellen Traditionen, die von jenen Kolonisten auf-rechterhalten und, was manche Erzeugnisse der Hausindustriebetrifft, auch von der übrigen Bevölkerung gerne angenom-men wurden. Zahlreiche Trachtenbilder im Kronprinzenwerkgeben Zeugnis von den intensiven ethnischen Bewegungen inGalizien. Auf diesem Wege fanden Produkte und Techniken ausdem Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient wie auch aus dem Westen Eingang. Besonders derAdel schätzte und suchte diese Spezialkenntnisse. Gelegentlichwurden ehemalige Kriegsgefangene aus der Sklaverei aus-gelöst, die mit den in der Fremde erworbenen Kenntnissenund Fähigkeiten in ihre polnische Heimat zurückkehrten.( ÖUM, 526-528)
Die Erkenntnis der Notwendigkeit, dieses geistigeund schöpferische Potential der verschiedenen Völker in einergroßen Gemeinschaft fruchtbar zu halten, war die zukunfts-weisende Idee des Kronprinzen. Sie entsprang Rudolfs in derJugend ausgebildetem Interesse an fremden Völkern und spe-ziell seinem großen Verständnis für die Probleme des ethnischfein gegliederten österreichisch- ungarischen Staates. Mit sei-nem Werk hat er ein übernationales Programm geschaffen, dashundert Jahre nach seinem Entwurf in der europäischen Inte-grationsbewegung eine neue Verwirklichung erfährt.
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Literaturverzeichnis am Ende des Katalogs!