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Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
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ins Leben gerufenen und im Erscheinen begriffenen Werke:

' Die österreichisch- ungarische Monarchie in Wortund Bild' mit dem Ersuchen zu widmen, daß diese Reproduc-tions- Muster durch längere Zeit dem Publicum zur Besichti-gung zugänglich gemacht werden.

Ein verehrlicher Vorstand wird ergebenst ersucht,den Empfang dieser Sendung der gefertigten Redactionfreundlichst bestätigen zu wollen.

Die Redaction des Werkes:' Die österreichisch- unga-rische Monarchie in Wort und Bild' Wien, Stallburg."

Es lassen sich heute weder die Illustrations- Proben"auffinden noch feststellen, ob jemals eine Ausstellung(?) statt-gefunden hat. In den Zeitungen findet sich jedenfalls keine An-zeige für eine Präsentation von Werk- Illustrationen. Durch denüberraschenden Tod des Kronprinzen Ende Jänner 1889, alsokurze Zeit nach dem angeführten Schreiben, scheint diesesProjekt nicht weiter verfolgt worden zu sein.

Wie oben erwähnt, waren die originalen Bildvorla-gen den Zeitgenossen überhaupt nicht zugänglich und imLaufe der vergangenen Jahrzehnte seit ihrer bibliothekari-schen Aufnahme ab den fünfziger Jahren nur einem kleinenKreis von Interessenten. 1969 wurde erstmals eine Auswahlvon 360 Blättern( von 92 Künstlern) aus den Wiener Bestän-den in einer Ausstellung im Prunksaal der ÖsterreichischenNationalbibliothek einem aufgeschlossenen Publikum vonLiebhabern vorgestellt. Nunmehr werden Bilder aus dem Kron-prinzenwerk, das ehemalige österreichische Kronland Galizienbetreffend, erstmals außerhalb der Räume der Österreichchi-schen Nationalbibliothek und überdies außerhalb Österreichsgezeigt. Das Ethnographische Museum in Lemberg, das Natio-nalmuseum in Krakau und das Österreichische Museum fürVolkskunde sind Gastgeber für die Ausstellung Galizien in Bil-dern des Kronprinzenwerkes".

Kurz einige Fakten zum historischen Territorium Ga-lizien. Bis 1772, bei der ersten Teilung Polens, war das GebietGaliziens keine gesonderte Einheit. Mit der Namengebung Königreich Galizien und Lodomerien knüpfte Österreich andie mittelalterliche Geschichte des Ostteils Galiziens, des Für-stentums Halicz, an. Der König von Ungarn, Andreas II.( 1205-1235) führte den Titel Rex Galiciae et Lodomeriae", nach denalten Fürstentümern Halicz und Włodzimierz( Vladimir). Die-ser Titel blieb Bestandteil der ungarischen Königstitulatur.Damit führte auch Kaiserin Maria Theresia diesen Titel undnannte das neu gewonnene Gebiet vorerst Galizien und Lodo-merien, später nur noch Galizien. Streng historisch gesehenwar Galizien allein die Bezeichnung für das Nordkarpatenge-biet östlich des San, so benannt nach der späteren HauptstadtHalicz( Galicz). Es sonderte sich Mitte des 11. Jahrhundertsvom Kiewer Reich ab und bildete nach dessen Verfall einselbständiges Fürstentum. 1198 wurde es mit Wolhynien verei-nigt. 1387 gewann Polen das Fürstentum Halicz.

Ab 1772 stand Galizien fast 150 Jahre lang zumin-dest teilweise unter österreichischer Herrschaft. Von 1795( 3.Polnische Teilung) bis 1809 erfuhr Ost- oder Altgalizien eineErweiterung durch Neu- oder Westgalizien( das Gebiet um

Krakau und jenes zwischen Weichsel und Bug umfassend).1846 erfolgte die Angliederung des Freistaates" Krakau an dieösterreichisch- ungarische Monarchie( ab 1849 als Großher-zogtum Teil des Kronlandes Galizien und Lodomerien). 1866erhielt Galizien eine umfassende Autonomie mit eigenemLandtag, die bis 1914 in Geltung blieb. Auf die Sozial- und Wirt-schaftsgeschichte Galiziens kann nicht näher eingegangenwerden, da diese den Rahmen des vorliegenden Aufsatzesüberschreitet.

Eine Auswahl der 284 originalen Bildvorlagen zurIllustration des Bandes Galizien wird in dieser Ausstellung vor-gestellt. 128 Originale, entworfen als Ölbilder, Aquarelle,Tusch- und Bleistiftzeichnungen geben zunächst einen Ein-blick in die thematische Gliederung jenes Bandes der Länder-und Völker- Enzyklopädie", in dem sich das größte und bevöl-kerungsreichste Kronland der österreichischen Reichshälftedarstellen sollte.

Die thematische Einteilung folgt einem Schema, wiees ähnlich in allen Bänden durchgehalten wurde.

Zunächst erfolgt die geographische Schilderung ein-zelner Landschaften. Hier werden die beiden Städte Krakauund Lemberg sowie die einzelnen Landstriche behandelt.

Sodann geht man auf die Vorgeschichte ein, die indie Geschichte des Landes überleitet, wobei für Galizien dieGegenüberstellung des Krakauer Gebietes mit den rutheni-schen Teilfürstentümern berücksichtigt und schließlich dieZeit nach der Vereinigung thematisiert wird.

Ein großes Kapitel bildet die Volkskunde, eingeleitetdurch anthropologische Daten. Die weiteren volkskundlichenAspekte werden subsumiert unter größeren Einheiten, die denbedeutendsten ethnischen Gruppen Galiziens gewidmet sind,vor allem der polnischen und der ruthenischen Bevölkerung.Ein wichtiges Thema stellt die Hausindustrie dar.Neben die Musik"( Kirchenmusik, Tanzmusik undklassische Musik) wird die Volksmusik gestellt.

Das Kapitel Literatur und Theater unterscheidetebenfalls in polnische und ruthenische Literatur.

Unter der bildenden Kunst werden Architektur,Malerei und Plastik sowie Kunstindustrie angeführt.

Das Kapitel Volkswirtschaftliches Leben umfaßt diegroßen Aspekte Landwirtschaft und Viehzucht; Forstwirt-schaft, Jagd und Fischerei; Bergbau und Hüttenwesen; Handel,Industrie und Gewerbe; das Verkehrswesen.

Ein solches Inhaltsverzeichnis spiegelt den hohenStandard damaliger wissenschaftlicher Vorgangsweise beiethnographischen Darstellungen und Landeskunden wider.Durch die vielseitige Betrachtung eines Volkes oder einzelnerEthnien soll deren objektive Erfassung gewährleistet werden,ganz besonders durch die Einbeziehung naturwissenschaftli-

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