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Galizien in Bildern : die Originalillustrationen für das "Kronprinzenwerk" aus den Beständen der Fideikommißbibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek
Entstehung
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war ebenfalls ernsthaft um das Werk bemüht, sie betreute des-sen künstlerische Ausstattung. Die Enzyklopädie war bereits alsIllustrationswerk konzipiert worden.

Am 15. November wurde der illustrierte Prospekt inhunderttausenden Exemplaren ausgegeben und am 1. Dezem-ber 1885 erschien das erste Heft( deutsch und ungarisch) des inLieferungen herausgegebenen Werkes. Aus diesem Anlaßempfing der Kaiser den Kronprinzen und die beiden Redakteu-re Weilen und Jókai zur Privataudienz in der Hofburg. Rudolfwünschte das gesamte Werk dem Kaiser zu widmen. Gleichzei-tig war es einer der vielen Versuche, bei seinem Vater Anerken-nung zu finden. Jókais Schilderung von dieser Begegnung cha-rakterisiert treffend das gegenseitige Verhalten des Kaisers undseines Sohnes. Ehrfurcht und feierliche Ängstlichkeit seinemVater gegenüber kennzeichnen die Haltung Rudolfs, völligesUnverständnis den Interessen seines Sohnes gegenüber, gibt dieEinstellung des Kaisers wieder. Jókai dazu: Er gab seinemSohne eine gnädig aneifernde Antwort, ermahnte ihn zur Aus-dauer, gab seiner Zufriedenheit Ausdruck. Sodann wendete ersich zu mir und fragte mich:' Hat denn wirklich mein Sohn die-sen einleitenden Artikel selbst geschrieben?""

Rudolf stellte sich, nach Aussage der verfügbarenQuellen, nie direkt gegen seinen Vater. Er griff stets nur die Um-gebung des Kaisers an, Taaffe und Kalnoky, die Militärs, die Hof-beamten, kurz die' Kamarilla'. Kaiser Franz Joseph wurde vonseinem Sohn... in einer scheuen, ja angsterfüllten Weise geliebt,vor allem jedoch gefürchtet." Rudolf war stets bemüht, sich alsloyaler, nicht' frondierender' Kronprinz zu erweisen( wenig-stens in der Öffentlichkeit).( B. Hamann, 1995, S. 233 u. 236)

Das Echo der Presse auf das anlaufende Projekt folg-te unmittelbar. Während die liberalen Blätter wie die NeueFreie Presse" und das Neue Wiener Tagblatt" den politischenCharakter hervorkehrten mit den Aspekten der Solidarität in-nerhalb der Monarchie und des gegenseitigen Kennenlernensder Völker, um Mißverständnisse auszuräumen, wandte sichdie klerikale deutschnationale Presse und Diskussion geradegegen die Gleichbehandlung aller Völker in dem großöster-reichisch" orientierten Werk.

Der Kronprinz trieb sein Unternehmen in den Jah-ren 1886-1888 in rastloser Arbeit entscheidend voran und ver-faßte auch selbst einige Artikel in dem Werk. Die einzelnen Lie-ferungen erschienen mit pünktlicher Regelmäßigkeit an jedem1. und 15. des Monats. Bis zum vorzeitigen Tod Rudolfs( am 30.Jänner 1889) waren 77 Lieferungen ediert worden. Die Bändeder cisleithanischen( österreichischen) Reichshälfte lagen na-hezu abgeschlossen vor.

Die Weiterführung des Werkes im Sinne Rudolfs warden Mitarbeitern ein ernstes Anliegen. Erzherzogin Stephanie,die Witwe des Kronprinzen, übernahm an dessen Stelle denVorsitz. Sie war von Anfang an bei der künstlerischen Ausstat-tung des Werkes eingebunden, ihr lagen sämtliche Illustratio-nen zur Beurteilung vor. Sie selbst steuerte 15 Landschafts-zeichnungen bei. Der Name des Kronprinzen wurde auf denTitelblättern der nach seinem Tod folgenden Bände weiterhinangeführt. Auf Anregung und unter Mitwirkung weiland Sei-

ner kaiserl. und königl. Hoheit des durchlauchtigsten Kron-prinzen Erzherzog Rudolf begonnen, fortgesetzt unter demProtectorate Ihrer kaiserl. und königl. Hoheit der durchlauch-tigsten Frau Kronprinzessin- Witwe Erzherzogin Stephanie." Indiesem Monument durfte das Andenken des Kronprinzen wei-tergeführt werden, während sonst sein Name und jede Erinne-rung an ihn vermieden wurde.

Der Entstehungszeitraum dieser 24 Bände zählen-den Enzyklopädie erstreckte sich über 18 Jahre. Das gesamteWerk erschien in 397 Lieferungen parallel in einer deutschenund einer ungarischen Ausgabe. Wie schon erwähnt, kam daserste Heft( die erste Lieferung), deutsch und ungarisch, am1.12.1885 heraus, die letzte ungarische Lieferung erschien am1.10.1901, die letzte deutsche am 1.6.1902. Die ungarische Aus-gabe umfaßte schließlich 21, die deutsche 24 Bände, infolgedifferierender Zählung von Doppelbänden. Davon entfallen 13deutsche Bände( 11 ungarische) auf die österreichischen Erb-lande, 8 auf die Länder der Stephanskrone, einer auf Bosnienund Hercegovina, der Einleitungsband erschien in der deut-schen Fassung zweigeteilt.

Das Gesamtwerk enthält 587 Textbeiträge und 4529Illustrationen. 432 Wissenschaftler und Schriftsteller verfaßtendie Texte, 264 bildende Künstler schufen die Illustrationen.Chefredakteur der deutschen Ausgabe war bis zu seinem Tod1889 Joseph Ritter von Weilen, der auch nach dem Tod desKronprinzen die Seele des Werkes war. Danach übernahm Uni-versitätsprofessor Hofrat Heinrich Ritter von Zeissberg- seit1896 Direktor der Hofbibliothek- die Redaktion der deutsch-sprachigen Ausgabe. Sekretär und zeitweiliger Leiter der Wie-ner Redaktion( in der Stallburg) während der gesamten Ar-beitsperiode von 18 Jahren war Josef Bös. Die Chefredaktionder ungarischen Ausgabe hatte der Dichter Mór( Maurus) Jókaiinne. Druck und Edition der deutschen Ausgabe oblag der k. k.Hof- und Staatsdruckerei in Wien, Druck und Edition der un-garischen Ausgabe der kgl. Staatsdruckerei in Budapest. Ver-trieben wurde die deutsche Ausgabe in Kommission durch denk. u. k. Hof- und Universitätsbuchhändler Alfred Hölder, die un-garische Ausgabe durch die literarische Anstalt Gebrüder RévayA.G. in Budapest.

Das Werk kam erst dadurch in seiner Gesamtheit zu-stande, daß die deutschen und ungarischen Bände aus der je-weils ursprünglichen Sprache in die andere übersetzt wurden.Die Übertragung der ungarischen Bände ins Deutsche besorg-te Ludwig Hevesi, die Übersetzung der deutschen Bände insUngarische übernahm eine Gruppe ungarischer Literaten.

Da die Enzyklopädie bereits in ihrer Konzeption alsIllustrationswerk angelegt war, sollte ein Weg gefunden wer-den, die Originalvorlagen der Künstler in den Druck zu über-tragen. Das Bild mußte in den Satz eingebaut und daher ein Re-produktionsverfahren gewählt werden, das den Druck ineinem Arbeitsgang erlaubte. Die in den achtziger Jahren des 19.Jahrhunderts übliche Qualitätstechnik der Photogravure und-lithographie entsprach nicht diesen Bedingungen. Am besteneignete sich die Xylographie( Holzstich). Das neue phototech-nische Verfahren der Autotypie war nicht ausgereift und konn-

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