Meisterdieb- Motive
Von Leopold Kretzenbacher
I
Anton Bruckner und die Lichterkrebse
Ein konfessionspolemischer Humanistenschwank in einerösterreichischen Musiker- Anekdote
,, Geschichten um Anton Bruckner" nannte Hans Commenda seine lie-benswürdige Sammlung von Anekdoten, Lebensbildern und Erinnerungs-skizzen der Zeitgenossen des größten Musikers, den das Land Oberöster-reich hervorgebracht hat. Neben vielen Einzelheiten, die von der,, Lebensfremdheit" Anton Bruckners( 1824-1896), von seinen Abson-derlichkeiten im Umgang mit mancherlei Persönlichkeiten des öffent-lichen Lebens, insbesondere der Konzertwelt oder der Schar seiner gegenihn voreingenommenen Kritiker handeln, sind es zumal kleine Skizzen,oft auf eine einzige Aussage des Meisters selber oder seines Gesprächs-partners beschränkt, die mosaikartig zusammengesetzt das Bild des gro-Ben Tondichters, wie wir es nunmehr nach überlanger Wartezeit auf dieAnerkennung seines Genius doch aus mancherlei Biographien kennen,bestätigen. Darunter befindet sich aber auch manch Unerwartetes, jafremdartig Wirkendes, das gleichwohl näheren Hinsehens wert erscheint.So z. B. jene Anekdote aus der Lehr- und Leidenszeit des jungen Schul-gehilfen A. Bruckner in Windhaag bei Perg im unteren Mühlviertel.Hier nun diese Geschichte„ Es geistert":„ Eines späten Abends saßender Herr Pfarrer, der Herr Schulmeister, der Bader und der Kramerbeim, Oberen Wirt' zu Windhaag an der Maltsch am gewohnten Stamm-tisch einträchtig zusammen. Da stürzt plötzlich der Pfarrerknecht mitdem Schreckensruf in die Wirtsstube:, Im Freidhof( Friedhof) geht'sum! Die Honoratioren eilen auf den nahen Schauplatz des unheimlichenGeschehens, und siehe da: zwischen den Gräbern bewegen sich züngelnd
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