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Wunder über Wunder : gesammelte Studien zur Volkserzählung
Entstehung
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Eine Sammlung von König Ottokar Sagen imViertel unter dem Manhartsberg im Jahre 1813

Von Adolf Mais

Am 21. Jänner 1813 erließ der Kreishauptmann des Viertels unter demManhartsberg ein Rundschreiben an alle Bürgermeister, Gutsverwalterund Archivare mit dem Auftrage, sämtliche auf den Tod Ottokars be-zügliche Quellen zu sammeln und an ihn zu melden. Ausgelöst wurdedieser Befehl durch das Ministerium der auswärtigen Verhältnisse, das,, zum Behufe des geheimen Archives" bestimmte Aufschlüsse über denSieg Kaiser Rudolphs I. im Jahre 1278 zu erhalten wünschte. Da es fest-stand, daß an schriftlichem Quellenmaterial nicht viel zum Vorscheinkommen werde, schärfte der Kreishauptmann allen ein, alle möglichenSpuren der Entscheidungsschlacht zu verfolgen und bittet,, selbst Tra-ditionen, die nicht in die Klasse bloßer Märchen herabsinken, sonderneine Übereinstimmung und Wahrscheinlichkeit für sich haben", aufzu-nehmen. Das Ergebnis dieser Umfrage ist ein ziemlich stattliches Akten-bündel, das im niederösterreichischen Landesregierungsarchiv erliegt 1und auch dem Volkskundler einiges Interessante zu sagen hat.

Allgemein gebräuchlich scheint die Bezeichnung, Tradition" gewesen zusein, aber auch die Bezeichnung Sage" wird gebraucht, dagegen derAusdruck ,, Volkssage" ein einziges Mal, und zwar vom VerwalterPracher aus Asparn a. d. Zaya.

Sieht man von Bemerkungen ab, bei denen man nicht gewiß ist, ob derBerichterstatter nach dem Volksmund oder nach einer schriftlichenQuelle seine Angaben macht, so finden wir drei Sagengruppen vertre-ten, die stets mehrmals belegt sind.

Die erste Sagengruppe rankt sich um den damals zur Herrschaft Alt-Prerau gehörigen Ruhhof und den der Herrschaft Staatz eigenen Hof

1 Kreisamtsakten Viertel unter dem Manhartsberg, Präsidium, 1812-1814,Karton 99. An dieser Stelle sei auch Herrn Landesarchivar Dr. Felix Winter-mayr für den Hinweis auf diese Akten herzlichst gedankt.

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