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Wunder über Wunder : gesammelte Studien zur Volkserzählung
Entstehung
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Das Motiv der Feindlichen Brüder" anverschiedenen Flurdenkmalen in Niederösterreichnebst einigem Vergleichsmaterial

Von Emil Schneeweis

,, Höchst reizend ist für den Geschichtsforscherder Punkt, wo Geschichte und Sage zusammen-grenzen. Es ist meistens der schönste der ganzenÜberlieferung."

( Goethe)

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Die Volkskunde als akademische Disziplin, als Geisteswissenschaft 2 istschon allein kraft ihrer ehrenden und verpflichtenden Zugehörigkeit zurPhilosophischen Fakultät gehalten und berufen, jedem Gegenstand ihrerForschungstätigkeit eine möglichst umfassende, jeden nur denkbarenAspekt berücksichtigende, ganzheitliche Betrachtungsweise zuteil werdenzu lassen und sich solchermaßen dem Charakter einer Mathesis univer-salis anzunähern.

So wird denn auch die volkskundlich betriebene Bildstock- und Flur-denkmalforschung( um einen einmal gewählten provisorischen Terminusweiter zu verwenden) außer anderen facheigenen sowie hilfswissen-schaftlichen Kriterien, wie etwa jenen der Kunstgeschichte, Ikonogra-phie, Religionswissenschaft bzw.-geschichte auch die Erzählforschungheranziehen, und zwar so, daß über die rein sammlerische Aufzeichnunghinaus durch genaue Analyse und Klassifikation nach Typen, Motivenund Elementen sich ein detailliertes Bild der an ein solches Monumentgebundenen Traditionen ergibt.

1 Goethes Werke( in sechs Bänden), hg. von Erich Schmidt( Leipzig 1940),6. Band, S. 441.

2 Leopold Schmidt, Die Volkskunde als Geisteswissenschaft( Mitt. d. Österr.Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Prähistorie, Wien 1947,Bd. LXXIII- LXXVII, S. 115-137). Ders., Volkskunde als Geisteswissen-schaft. Gesammelte Abhandlungen zur geistigen Volkskunde(= Handbuch derGeisteswissenschaften, Bd. 2). Wien 1948. Hans Trümpy, Einleitung zu: Kon-tinuität Diskontinuität in den Geisteswissenschaften. Darmstadt, Wissen-schaftliche Buchgesellschaft 1973, S. 9.

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