Der Hehmann
Herkunft und Bedeutung einer Waldviertler Sagengestalt
( Mit 2 Karten)
Von Elfriede Rath
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Die niederösterreichische Heimatdichtung ist kürzlich um eine kleineNovellensammlung eines Waldviertlers, Josef Pfandler, bereichert wor-den, ein Büchlein mit„ Erzählungen aus der Landschaft", der Titel-novelle nach ,, Der Hehmann" genannt ¹. Es geht darin um einen jungenLehrer, der an einem stürmischen Winterabend an seiner neuen Lehr-stelle, einem recht entlegenen Dorf, ankommt, erfährt, daß sich derOberlehrer in einem Wirtshaus im Nachbardorf aufhält, und nun aufdem Weg dorthin von einem für seinen klaren Verstand recht merkwür-digen Erlebnis überfallen wird: Er hört im Geheul des Windes vomWaldrand her deutliche Rufe He- He! wie eben ein Mensch inder Finsternis einen anderen anruft; da er aber mit dem gleichen Rufantwortet, wird das Schreien mit einem Mal unheimlich laut, eine dunkleGestalt kommt geradewegs auf ihn zu, und plötzlich wird er so heftigzu Boden geworfen, daß er ein ganzes Stück den steilen Weg hinunter-rollt. Zerschunden, mit schlotternden Knien kommt er schließlich imWirtshaus an und erzählt dort von dieser ihm unerklärlichen Begeben-heit. Allein die Einheimischen wissen Bescheid: das wäre der Hehmanngewesen, sagen sie mit einer gewissen Scheu, und einer der Anwesendenbeginnt ausführlich zu erzählen, wie es dazu gekommen sei, daß derHehmann geistern müsse.
Hier greift der Dichter weiter aus und baut über das Sagenmotiv eineHandlung, die an Gottfried Kellers Geschichte von„ Romeo und Juliaauf dem Dorfe" erinnert, doch nimmt er auch im Streitfall der verfein-deten Väter ein geläufiges Motiv der mündlichen Überlieferung wieder
1 Wien, Europäischer Verlag, 1951. Eine andere, mehr kinderbuchmäßig gehal-tene literarische Bearbeitung der Hehmann- Sage bot wenige Jahre vorher KarlFuß in seinem Heimatbüchlein„ Nebelstein". Gmünd, Selbstverlag, 1948.
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