Drei Erzählungen über den hl. Petrus
am Weinberg,
aufgezeichnet im steirischen Sausal
Von Elfriede Lies
Die drei einander in den Hauptmotiven ähnelnden Erzählungen könn-ten vielleicht auf einen ehemals dort üblichen, eventuell durch eine Win-zerbruderschaft ausgeführten Flurumzug mit einer Statue des hl. Petrushinweisen. Dies ist wohl nicht gewiß, aber jedenfalls will ich darüberberichten.
Alle drei Erzählungen besagen, daß eine Statue des hl. Petrus durchzwei Männer in die Weinberge getragen und von ihnen dort zurück-gelassen wird, worauf in zwei Fällen der Heilige selbst seinen Weg fort-setzt und die Weingärten segnet. Der dritten Erzählung jedoch fehlt die-ser legendenhafte Zug 1.
Alle drei Erzählungen bringen eine plausible Erklärung dafür, wie dieStatue des hl. Petrus aus der Kirche bzw. Kapelle hinaus und ins freieFeld gekommen sei. Zwei Erzählungen eignet der ohne Übergang ge-brachte Schluß, daß die von der Arbeit heimkehrenden Winzer im letz-ten Abendlicht den hl. Petrus segnend durch den Weingarten gehen sehen.Nichts drückt deren Erstaunen darüber aus, daß der Heilige leibhaftigdurch den Weingarten geht, von dem eigentlich nicht gesagt wird, ob ersich nun in der Gestalt seines Kultbildes bewegt habe, von dem so aus-führlich berichtet worden war, wie es ins freie Feld kam und dann dortzurückgeblieben ist 2.
1 In Südtirol erzählte man sich, daß der hl. Petrus im Weingarten schlief,während Christus segnend durch den Weingarten ging.
In der ehemaligen Untersteiermark: Während Christus die Weingärten segnet,nascht St. Petrus von den Weintrauben, stolpert später beim Nachlaufen undverstaucht sich den Fuß.
2 Meine Frage, ob nun eigentlich die Statue wieder in die Kirche zurück-gekommen sei, blieb unbeantwortet. Man habe berichtet, was man davon wisse,mehr sei nicht bekannt sagte man nach Art der Erzähler unwillig, die allesweitere Ausholen für ein Überspielen ihrer Pointe ansehen.
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