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Wunder über Wunder : gesammelte Studien zur Volkserzählung
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Die Sagen vom Nachtvolk

Untersuchung eines alpinen Sagentypus

( Mit 1 Verbreitungskarte)

Von Klaus Beitl

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Vom ausgedehnten Verbreitungsgebiet der deutschen Sagen von der ,, wil-den Jagd" und dem, wilden oder wütenden Heer" hebt sich im süd-alemannischen Raum in Vorarlberg, in der Ostschweiz und in Grau-bünden die durch ihren Namen und durch verschiedene Vorstellungs-elemente charakterisierte Gruppe der Sagen vom Nachtvolk" ab. Die-ser Sagentypus, der sich aus den einschlägigen landschaftlichen Sagen-sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts erheben läßt und der mehr-fach schon Gegenstand sagenkundlicher Untersuchungen warich ver-weise hier nur auf die im Anhang angeführten Arbeiten von FranzJoseph Vonbun, Lincke, Büchli, Paul Geiger und Richard Beitlsoll hier gemäß der volkskundlich- kulturhistorischen Betrachtungsweiseuntersucht werden.

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Es handelt sich zunächst darum, die Erscheinungsformen dieser Sagen-gruppe und deren räumliche Ausbreitung aufzuzeigen, um auf dieserGrundlage den Versuch einer kulturgeschichtlichen Zuordnung diesesSagentypus vorzunehmen, die angesichts der gebotenen Kürze meinerAusführungen freilich nur andeutungsweise, skizzenartig durchgeführtwerden kann.

Der Sagenkomplex vom Nachtvolk als der eigentlich südalemannischenForm des nächtlich einherziehenden Geisterheeres enthält bestimmte Vor-stellungselemente unterschiedlichen Charakters. Aus der Auflösung die-ses Überlieferungskomplexes in die wichtigsten Vorstellungselemente undSagenzüge ergeben sich innerhalb des größeren Traditionsbereiches derNachtvolksagen kleinere Erzähllandschaften, die uns in der Folge nochbeschäftigen sollen.

In der Sprache und Überlieferung von Vorarlberg, wo im Montafonund im Walsertal noch heute die Sagen vom Nachtvolk nicht erloschen

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