Anton Dachler aus seinen Vergleichen der mitteldeutschen und nieder-österreichischen Hausformen abgeleitet und in die Hausforschung ein-geführt hatte 88. Er versuchte seine Theorie dadurch zu stützen, daß erden verwandt aussehenden Hausformen scheinbare Übereinstimmungenin den Dialekten des Mitteldeutschen und dem Ostniederösterreichisch-heanzischen, den sogenannten ui- Mundarten, gegenüberstellte 84. DieserVersuch wurde von der Mundartforschung, besonders von Anton Pfalz 85und seiner Schule auf das heftigste bekämpft, vor allem, als ArthurHaberlandt 86 Jahrzehnte nach Dachler die Theorie wieder aufgriff. Eswurde jeglicher fränkische Einfluß auf das nördliche Niederösterreichstrikt in Abrede gestellt.
Nun ist heute die Hausforschung selbst von der Bezeichnung„ frän-kisches Haus" abgekommen, weil eine so strenge stammliche Bindung zueng gefaßt und auch sachlich nicht stichhältig ist. Auf Grund unsererErwägungen scheint jedoch, unabhängig von den Problemen der Haus-forschung, eine solche ,, Fernkolonisation" für das Waldviertel nahelie-gend und gewiß wert, noch einmal zur Diskussion zu stehen.
Der Einwurf der Mundartforschung, daß sich im nördlichen Nieder-österreich keine tatsächlichen nordbairischen Sprachelemente fänden, istmeines Erachtens deshalb nicht wirklich beweiskräftig, weil dies unterdem jahrhundertelangen Einfluß des Mittelbairischen auf dieses Gebietkaum zu erwarten wäre. Die Mundart ist bei Umsiedlern es sei denn,es handelt sich um Bewohner einer geschlossenen Sprachinsel nichtallzu beständig, ja sie wandelt sich, wie man heutzutage an Flüchtlings-familien oft genug beobachten kann, beinahe von einer Generation zuranderen. Kein Wunder also, wenn etwaige fränkisch- oberpfälzische Sied-ler die Eigenheiten ihrer Mundart im langwährenden Zusammenlebenmit dem mittelbairischen Element eingebüßt hätten.
Außerdem bestehen gerade im Waldviertel Mundartreste, die uns wie-der auf Beziehungen zur Oberpfalz hinweisen. Ein sprechendes und vonder Mundartforschung selbst erarbeitetes Beispiel ist das Wort„ Fichte".Im ganzen mittelbairischen Bereich, also der bei uns gangbaren Mund-
83 A. Dachler, Das Bauernhaus in Niederösterreich und sein Ursprung( Blätterdes Vereines für Landeskunde von Niederösterreich, Jg. XXXI, Wien 1897,S. 115 ff.).
84 Ders., Beziehungen zwischen den niederösterreichischen, bayrischen undfränkischen Mundarten und Bewohnern( Zeitschrift f. Österreichische Volks-kunde, Bd. VIII, Wien 1902, S. 81 ff.).
85 Angeblich fränkische Mundarten in Österreich( Oberdeutsche Zeitschrift f.Volkskunde, Jg. 1, 1927, S. 54 ff.). Dort auch Angaben über die Literatur die-ser Auseinandersetzung.
86 Die Bauernhausformen im deutschen Volksgebiet( Wiener Zeitschrift f.Volkskunde, Bd. XXXI, 1926, S. 9 ff., vor allem S. 15).
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