trägt alle charakteristischen Züge des Waldgeistes an sich, er gilt da unddort als Vogel, als Aufhocker oder, wie in der Novelle Pfandlers, alsumgehender Frevler, entspricht also der Sagengestalt in allen Spielfor-men und Entwicklungsstadien.
In seiner Gesamtheit jedoch hat das Waldviertel ein durchaus eigenesGesicht, unterscheidet sich jedenfalls deutlich vom benachbarten Wein-viertel und der übrigen Landeshälfte Niederösterreichs südlich derDonau. Das wird jedem Reisenden fühlbar, der mit offenen Augen indiese Landschaft fährt. Wohl ist der Waldbestand meist schon starkgelichtet, daß die helleren Farben der Wiesen und Äcker dem Land eindurchaus freundliches Bild geben. Die höhere Lage, das bekannt rauheKlima, die Abgeschiedenheit vom großen Verkehr bewirken jedocheigene Lebens-, Siedlungs- und Wirtschaftsformen. Diese Eigenständig-keit scheint auch den Bewohnern des Landes durchaus bewußt zu sein;ihr starkes Heimatgefühl geht ihnen selbst nach Abwanderung in dieGroßstadt nicht so leicht verloren, wie die Vereinigungen der Wald-viertler in Wien beweisen. Bezeichnend auch die außergewöhnlich um-fangreiche wissenschaftliche und heimatkundliche Literatur über dasWaldviertel, die diesen Landesteil Niederösterreichs sehr deutlich alseine Landschaft eigener Problematik charakterisiert 71.
Es wäre verwunderlich, sollten Besonderheiten dieser Art nicht auchbesiedlungsgeschichtlich bedingt sein. Daß dies der Fall ist, beweist alleinschon das Ortsnamenbild 72: in auffallender Dichte häufen sich hier dieNamen mit jenen Bestimmungswörtern, welche die mit der LandnahmeHand in Hand gehenden Rodungsarbeiten bezeichnen, also Namen auf-schlag,-reith,-gschwendt,-brand,-stock usw. 73. Noch charakteristi-
71 So verfügt das Waldviertel als einziges Landesviertel Niederösterreichs übereine eigene Heimatzeitschrift:„ Das Waldviertel", Blätter für Heimat- undVolkskunde des niederösterreichischen Waldviertels. Waidhofen 1928 ff., N. F.Krems 1952 ff. Ferner eine umfangreiche Buchreihe im Rahmen der Sonder-veröffentlichungen der Zeitschrift„ Deutsches Vaterland", hg. von EduardStephan, Wien 1924 ff. Vgl. auch welch bedeutenden Raum die Literatur überdas Waldviertel in K. Lechners Bibliographie zur Landeskunde der nördlichenHälfte der Gaue Niederdonau und Wien( von Nöchling bis Theben) 1920 bis1938(= Deutsche Schriften zur Landes- und Volksforschung, Bd. 4), Leipzig1940, einnimmt.
72 Vgl. F. Eheims Karten„ Die Ortsnamen in Niederösterreich I. u. II." imAtlas von Niederösterreich, 3. Lief., Wien 1952.
73 Siehe( allgemein) B. Eberl, Die bayerischen Ortsnamen als Grundlage derSiedlungsgeschichte, 1. Teil: Ortsnamenbildung und siedlungsgeschichtliche Zu-sammenhänge(= Bayerische Heimatbücher, Bd. II). München 1925, S. 101 ff.
Emil Weinberg, Die österreichischen Ortsnamen und ihre Bedeutung. Wien-Leipzig 1936, S. 18 u. Abschnitt Niederösterreich, S. 45 ff.- Heinrich Weigl,Die Bedeutung der Ortsnamen in Niederdonau(= Niederdonau, Schriftenreihef. Heimat und Volk, Heft 20). St. Pölten o. J.( 1940), S. 12. Auf die zahl-
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