witsch Karadschidsch längst als der bei weitem bedeutendere Sammlervor allem der serbischen Volksdichtung erwiesen. Die Brüder Grimmkannten und schätzten ihn und seine zunächst in Wien erschienenenSammlungen. Anläßlich der serbischen Revolution fragte Jacob Grimmam 12. Februar 1835 sogar bei Kopitar in Wien an,„ ob diese( Umwäl-zung) für unseren Freund( eben Karadschidsch) gelegen oder ungelegen"sei 75. Diese Sammlungen von Wuk Stepanowitsch Karadschidsch zeigteJacob Grimm stets mit gleichbleibender Aufmerksamkeit nach ihremErscheinen an und hat damit für ihre Kenntnisnahme durch die deutscheForschung viel geleistet 76. Selbst die bei weitem spezielleren slawisti-schen Veröffentlichungen Kopitars, nämlich den„ Altpolnischen Psal-ter", Wien 1834, und den„ Glagolita Clozianus", Wien 1836, bedachteer mit sofortigen eingehenden Rezensionen 77.
So nimmt es nicht wunder, daß ihn der Weg bei seinem zweiten Besuchin Wien, 1847, wieder vor allem in die Hofbibliothek führte. Kopitar,der dort gewirkt hatte, war wohl schon 1844 gestorben. Aber die jün-geren Freunde Theodor von Karajan und Ferdinand Josef Wolf wirk-ten dort, Jacob Grimm kam 1847 von Breslau mit der neuen„ Ober-schlesischen Eisenbahn" nach Wien. Er wohnte im„ Lamm" an derDonaubrücke ,,, wo eine schöne Aussicht", wie er am 31. August 1847an seinen Bruder schreibt 78. Und: Der erste, der ihm begegnete, warKarajan, der ihn gleich in die Hofbibliothek mitnahm ,,, wo noch alleswie im jahr 1815 ist, die lange zeit dazwischen ist wie ein traum". Daschwingt nun doch ein leicht empfindsamer Ton mit, den wir beim jun-gen Jacob Grimm nicht gefunden hätten. Tatsächlich blieben Karajanund Wolf die wichtigsten Wiener Freunde Jacob Grimms bis ins hoheAlter.
Wilhelm Grimm hatte diese verschiedenen Wiener Persönlichkeiten niekennengelernt, sondern sich stets der Vermittlung des Bruders bedient,solange in Wien noch wesentliche Möglichkeiten des Veröffentlichensfür ihn zu Gebote standen. Vor allem arbeiteten beide Brüder ja ziem-lich lange an den, Wiener Jahrbüchern der Literatur" mit. WilhelmGrimm bemühte sich 1828 vor allem um die gotischen Runenalphabeteder Wiener Hofbibliothek 79. Er hatte sich mehrfach an Kopitar umVermittlung gewendet, überließ dann den Aufsatz ,, Zur Literatur derRunen" der Redaktion der Jahrbücher und erwirkte nach einiger Zeit
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75 Briefe der Brüder Grimm, s. o. Anm. 5, S. 264.
76 Jacob Grimm, Kleinere Schriften, Bd. 4, 1869, S. 100 ff., 197 ff., 416 ff.,Bd. 5, 871, S. 168 ff., Bd. 7, 1890, S. 386 ff.
77 Ebd. Bd. 5, S. 230 ff.
78 Unbekannte Briefe der Brüder Grimm. Hg. von Jörn Göres und WilhelmSchoof. Bonn 1960, S. 360, Nr. 203.
79 Briefe der Brüder Grimm, s. o. Anm. 5, S. 278.
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