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Wunder über Wunder : gesammelte Studien zur Volkserzählung
Entstehung
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Vorbildes der älteren zeitgenössischen Sagenherausgeber bedient und wiediese die literarischen historischen Quellen ausgezogen. Wenn man dieseErscheinung für die österreichischen Sagen ins Auge faßt, dann ergibt essich, daß zwei im Sagenwerk gebrachte Erzählungen auf mittelalterlicheQuellen zurückgehen; drei auf Quellen der Renaissancezeit; acht auf dasin Brixen erschienene, dem späten 16. Jahrhundert angehörige Volks-buch vom Untersberg 65; elf auf Quellen der Barockzeit; und neunschließlich auf literarische Quellen der Grimm- Zeit. Von den WienerSagen wird eine, Nr. 179, Die Spinnerin am Kreuz", der mündlichenÜberlieferung zugewiesen, eine zweite, Nr. 108, Die Wiege aus demBäumchen", hatte Jacob der Wiener Zeitungslektüre( 1813) zu verdan-ken. Zwei Sagen stammen aus Tirol, wurden ihm aber in Wien erzählt,nämlich Nr. 353, Der Judenstein, und Nr. 356, Der Altar zu See-feld"; zu beiden wird aber die barocke Quellenliteratur auch dazuge-stellt. Brentanos Wiener ,, Friedensblätter" von 1814 lieferten schließlichdie schauerliche Mordgeschichte Nr. 128 ,,, Die Müllerin, die Jacob aberauch mündlich gehört haben und weiters auf einem fliegenden Blattgefunden haben will.

Das ist also erstaunlich wenig. Da hatten eigentlich spätbarocke Samm-lungen wie die ,, Monatlichen Unterredungen" des Tiroler Serviten undspäteren Konvertiten Otto von Graben zum Stein bereits bedeutendmehr enthalten 66. Es fällt vor allem auf, daß sich Jacob Grimm nichtder bereits einige Jahre vorliegenden Arbeiten des Reichsritters AntonFerdinand von Geusau( 1746-1811) bedient hat 67. Nicht einmal inder Buchausgabe der Sagen zitierten die Brüder zu ihrer Nr. 179 dasdoch tatsächlich wichtige Werk Geusaus, Gesammelte Meinungen vonder Entstehung des Nahmens und des Alterthums der Spinnerin amKreuze auf dem Wienerberg", Wien 1807 erschienen. Aber vielleichtliegt gerade in der Nichterwähnung dieses sagenkundlich nicht zu um-gehenden Buches der Schlüssel für die Haltung Jacobs. Er hatte nämlichin Wien einen Historiker kennengelernt, von dem er am 1. Juni 1815an Savigny schrieb: Herr von Bergenstamm, der das landschaftlicheArchiv unter sich hat und bei weitem die gelehrteste Kenntnis von der

65 Vgl. Herzog, Wilhelm: Die Untersbergsage nach den Handschriften unter-sucht und hg.(= Veröffentlichungen des historischen Seminars der UniversitätGraz, Bd. IV), Graz 1929.

66 Die Sagen der Monathlichen Unterredungen Otto von Grabens zum Stein.Hg. von Will- Erich Peuckert(= Corpus Fabularum I). Berlin 1961.Vgl. dazu Bernward Deneke: Sage" im 18. Jahrhundert. Zu den Unter-redungen" des v. Graben zum Stein. In: Österreichische Zeitschrift für Volks-kunde, N. S. XV/ 64( Wien 1961), S. 255 ff.

67 Gugitz, Gustav: Der Historiker und Schriftsteller Anton Ferdinand Reichs-ritter von Geusau. In: Jahrbuch des Vereines für Geschichte der Stadt WienXII.( 1955/56), S. 153 ff.

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