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Wunder über Wunder : gesammelte Studien zur Volkserzählung
Entstehung
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den Wandel der, Hauslandschaften", wie wir heute sagen würden 16.Sein Herz war freilich im Gebiet des Fachwerkbaues geblieben. In Wiengewöhnte er sich schlecht ein. Das Quartier auf der Wieden behagteihm wenig, weil er täglich mehrmals über das ewig staubige und windigeGlacis gehen mußte wir kennen die gleichen Klagen von Zeitgenossen,beispielsweise von Joseph von Eichendorff, der umgekehrt vom PalaisWilczek in der Herrengasse über das Glacis in die Alservorstadt gehenmußte 17. Sogar ins gleiche Haus wie Grimm, nämlich in das Haus derFrau Karoline Greiner, in dem bei seinen Wiener Aufenthalten FriedrichSchlegel wohnte.

Es war das erst 1802 erbaute Haus auf dem Grundstück Alserstraße 25- Laudongasse 18. Im Jahr 1816 ging es in den Besitz der Tochter derFrau Greiner, nämlich der berühmten Schriftstellerin Karoline Pichlerüber 18. Hier, der heutigen Numerierung nach also Laudongasse 18, mußGrimm mehrfach aus- und eingegangen sein. Und es ist für uns schoneine merkwürdige Vorstellung, nun zu bedenken, daß er dabei jedesmaldas Gebäude gegenüber, Laudongasse 15-17-19 sehen mußte, das ehe-malige Gartenpalais Schönborn, in das hundert Jahre später das Öster-reichische Museum für Volkskunde einziehen sollte 19. Das alte Garten-palais, erweitert und adaptiert, steht heute noch und hat sich in eineForschungsstätte der von Grimm zumindest mitbegründeten Volkskundeausgestalten lassen. Das Haus Laudongasse 18 ist längst der Spitzhackezum Opfer gefallen, ein nüchternes Zinshaus der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts steht auf den ehemals Greiner- Pichlerschen Haus-gründen.

Schlegel lebte im Greinerschen Haus ein bißchen wie auf einer Insel.Nur die gleichgestimmten deutschen Konvertiten verkehrten dorteinigermaßen ebenbürtig 20. Jacob Grimm, der literarisch so gut vor-angemeldet war, stieß sich offenbar an Schlegels Frau und Stiefsohn;ähnlich wie sein Freund Arnim machte er in solchen Fällen von seinerjudenunfreundlichen Haltung kein Hehl 21. Der neue Katholizismus desKreises konnte den streng kalvinistischen Pfarrersenkel auch nicht er-

16 Briefwechsel zwischen Jacob und Wilhelm Grimm aus der Jugendzeit. Hg.v. Herman Grimm und Gustav Hinrichs. Weimar 1881, S. 350 ff.

17 Tagebücher des Freiherrn Joseph von Eichendorff. Hg. v. Wilhelm Kosch.Regensburg 1908.

18 Rotter, Hans: Die Josefstadt. Geschichte des 8. Wiener Gemeindebezirkes.Wien 1918, S. 298.

19 Schmidt, Leopold: Das österreichische Museum für Volkskunde. Werdenund Wesen eines Wiener Museums. Wien 1960.

20 Güttenberger, Heinrich: Einkehr und Heimkehr. Österreichische Skizzen.Wien 1932, S. 167 ff.

21 Briefwechsel, s. o. Anm. 16, S. 359.

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