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Wunder über Wunder : gesammelte Studien zur Volkserzählung
Entstehung
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sich im Freundeskreise Grimms herum, und Clemens Brentano machtedaraus noch mehr, indem er am 25. Oktober 1814 von Wiepersdorf ausan Savigny, seinen Schwager, in einem überhaupt Österreich unfreund-lich gesonnenen Brief schrieb: ,, Grimms Kindermärchen wurden als aber-gläubisch verboten." 12 Das war nun durchaus nicht wahr, wie sichGrimm in Wien selbst überzeugen konnte, aber es kennzeichnet dieStimmung.

II.

Die bisherige Forschung über Anwesenheit und Wirkung Jacob Grimmsin Wien ist nicht sehr umfangreich 13. Es stehen ihr auch nur wenigeQuellen zur Verfügung. Es sind aber immerhin auch diese noch beträcht-lich überschätzt worden. Man kann beispielsweise wohl nicht rechtsagen, Wien sei 1815 durch die Anwesenheit Grimms ,, zum zeitweiligenMittelpunkt der Märchenforschung" gemacht worden 14. Grimm war inerster Linie hessischer Legationssekretär, als dieser mit Schreibarbeitenüberhäuft, die ihn noch dazu politisch nur ärgerten. Wissenschaftlichzogen ihn vor allem die altdeutschen Handschriften in der Hofbiblio-thek an, die er in ganz erstaunlichem Ausmaß heranzuziehen, zum Teilsogar zu kopieren oder doch zu exzerpieren verstand. Zur volkskund-lichen Forschung, wenn man den Terminus auf diese Zeit schon anwen-den will, wäre eine stärkere Hinwendung zu den eingesessenen Wienernerforderlich gewesen. Dazu war Jacob Grimm infolge seiner angebore-nen Kontaktfremdheit kaum fähig. Übrigens war der Verkehr der Diplo-maten auf dem Wiener Kongreß mit den ansässigen Gelehrten über-haupt nicht sehr umfangreich. Der Freiherr von Hammer- Purgstall, alsOrientalist Glossar ::: zum Glossareintrag Orientalist für Grimm doch zweifellos interessant, hat ihn nie kennen-gelernt, sondern viel später noch erklärt, es hätten damals sich dieDiplomaten kaum um irgendwelche Literaten gekümmert 15.

Ganz so schlimm war es aber doch nicht. Grimm war auf einem Donau-schiff nach Wien gefahren; die Schilderung der Reise von Nürnbergüber Regensburg, Passau und Linz nach Wien ist für ihn sehr bezeich-nend. Er hat immerhin den Wechsel der Landschaft beobachtet, sogar

12 Das unsterbliche Leben, s. o. Anm. 3, S. 492.

13 Mailly, Anton von: Die Wiener Märchengesellschaft. Eine vergessene Wie-ner Literaturrunde. In: Österreichische Rundschau IV( Wien 1938), S. 27 ff.14 Haiding, Karl: Österreichs Märchenschatz. Ein Hausbuch für Jung und Alt.Wien 1953, S. 415.

15 Hammer- Purgstall, Josef Freiherr von: Erinnerungen aus meinem Leben.1774-1852(= Fontes rerum Austriacarum, Österreichische Geschichtsquellen,II. Abt., Bd. 70). Wien 1940, S. 224.

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