Heft 
55 (2020) 1
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Das Museum als USEum

55. Jahrgang

An seinen hellen Tagen ist esein großartiges Gewächshaus

Ein Gespräch mit Alexander Martos undNiko Wahl über ihre Projekte am Volks-kundemuseum Wien und das Sammelnund Kuratieren der Zukunft

Wer seid Ihr und wie seid Ihr zum Museumgekommen?

Alexander Martos: Mein erster Kontaktzum Museum kam über Science Commu-nications Research. Der Verein hat unteranderem einen Hintergrund in Wissens-vermittlung. 2011 hatten wir ein partizi-patives Forschungsprojekt zu Kinship undFamilien- Machen, das in einer Ausstellunggemündet ist[ Anm.: Familienmacher. VomFesthalten, Verbinden und Loswerden,11.11.2011 bis 2.3.2012]. Für die Ausstellungzu kulturwissenschaftlichen Universitäts-sammlungen, kuratiert von Matthias Beitl,[ Anm. Gelehrte Objekte?- Wege zumWissen. Aus den Sammlungen der historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Uni-versität Wien, 11.4. bis 27.10.2013] haben wirein kleines Projekt gemacht, das sich mitdem Wissen von Kustodinnen beschäftigt.Wir haben eine Mischform aus Installationund Diskursprogramm entwickelt, die Seri-ösen Séancen". Die Idee der Beschwörungvon Dingen, sie zur Sprache zu bringen,wurde mit der Séance, einem alten Vorläu-fer der Medienwissenschaft, verbunden.Bei diesen ersten Tuchfühlungen mit demHaus habe ich gemerkt, dass hier vielmehr Dinge möglich gemacht werden alsanderswo. Dass ein Interesse besteht anneuen Formaten, die im weitesten Sinneetwas mit kulturwissenschaftlichen Öffent-lichkeiten zu tun haben.

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Niko Wahl: Ich hatte mit Volkskunde nieviel zu tun und ich hatte auch relativ großeVorurteile gegen die Disziplin. Insofern habeich meine Distanz zum Volkskundemuseumlange Zeit gehalten. Aber dann war das, wasman über das Haus hört, so überwältigend,dass ich doch angefangen habe, mich dafürzu interessieren. 2014 habe ich hier fürdas Projekt SchwarzÖsterreich angedockt[ Anm.: SchwarzÖsterreich. Die Kinder afroa-merikanischer Besatzungssoldaten, 27.4. bis21.8.2016].

Eure erste Zusammenarbeit war imRahmen von Museum auf der Flucht.Mit einem Fellowship- Programm habt Ihrhochqualifizierte AsylwerberInnen ansHaus geholt und die Grundlage für eineintensive Auseinandersetzung mit denThemen Flucht, Migration und Ankom-men in den Forschungs-, Sammlungs-,Ausstellungs- und Vermittlungstätigkeitendes Museums gelegt. Wie ist es dazugekommen?

Niko Wahl: Ich hatte zu dem Thema einenAusstellungsvorschlag. Gleichzeitig gab esbereits eine Idee zwischen Matthias Beitlund Alexander Martos sowie einen Projekt-antrag zu Museum auf der Flucht. Ich hattees mir aber ganz anders vorgestellt. Wennman über dieses Haus und seine Nutzungspricht, ist das vielleicht ein Leitsatz. Dieeigene Vorstellungswelt trifft hier meist aufetwas völlig anderes.

Inwiefern ist das so?

Niko Wahl: Die Offenheit des Hausesermöglicht es, dass Dinge wachsen undMenschen sich entwickeln können. Gleich-zeitig gibt das Museum im positiven SinnKontrolle auf, um einen Möglichkeitsraumzu schaffen. An seinen dunklen Tagen istes Laissez- faire, aber an seinen hellen