Die Recherche-Plattform für digitalisierte Objekte, Publikationen und Archivalien des Volkskundemuseum Wien

Alben

Kleine Karten, vielfältige Geschichten:
Cartes de Visite und Cartes de Cabinet in der Fotosammlung des Volkskundemuseum Wien


„Sammeln Sie auch die Pickerl?“

Viele von uns haben diese Frage wohl schon des Öfteren an einer Supermarktkassa gehört. Dieser werbewirksame Aufruf zum Sammeln von kleinen Aufklebern mit unterschiedlichen Motiven schafft eine Verbindung zwischen unserer heutigen Zeit und den speziellen Formaten für Fotografien des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die sich auch in der Sammlung des Volkskundemuseum Wien befinden. Durch die Digitalisierungsinitiative des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport (BMWKMS) konnte das Museum ein ambitioniertes Digitalisierungsprojekt umsetzen. Aus einer großen Bandbreite verschiedener Sammlungsobjekte wurde auch ein Konvolut von etwa 1.200 Fotografien aus der Fotosammlung für das Projekt ausgewählt. Es handelt sich um eine Sammlung von Positiven, die alle dem Standardformat Carte de Visite (ca. 9 cm × 5,5 cm) oder Carte de Cabinet (ca. 14,5 cm × 10 cm) entsprechen. Die gewählten Motive von damals (z. B. Sehenswürdigkeiten, Reisefotos, pittoreske Landschaften (pos/63274) und Familienporträts) erkennen wir heute wieder und finden ähnliche Ansichten auf Stickern aus dem Supermarkt genauso wie in unseren privaten Fotoalben.

Zwischen Grönland und Sardinien – Der fotografische Bestand von Rudolf Trebitsch


Rudolf Trebitsch (1876–1918), Mediziner, Ethnologe, Sammler und Reisender, hinterließ neben zahlreichen Publikationen und Phonogrammaufnahmen eine fotografische Sammlung, die nun erstmals in größerem Umfang zugänglich ist. Die knapp 1.400 Aufnahmen dokumentieren besonders seine Reisen nach Westgrönland (1906), auf die Britischen Inseln (1907, 1909), in den Mittelmeerraum (1907, 1909) und die Bretagne (1908). Neben Landschaften und geologischen Formationen hielt er Menschen, Musik und Alltagskultur fest. Trebitsch kombinierte Fotografie, Tonaufnahmen, Publikationen und Vorträge, um seine Forschungen umfassend festzuhalten und sie einem Publikum möglichst anschaulich näherzubringen. Sein von Humanismus geprägtes Weltbild fand 1917 Ausdruck in einer offenen Stellungnahme gegen Hierarchiedenken, Rassismus und Krieg (Trebitsch 1917). Trebitsch starb am 10. Oktober 1918 an den Folgen eines Suizidversuches in Graz. Das Volkskundemuseum in Wien übergab 1940 eine 1920 im Museum angebrachte Erinnerungstafel an Trebitsch der „Metallspende des deutschen Volkes“. Damit entfernte es das Gedenken an und die Dankbarkeit für die umfassende, engagierte und großzügige Unterstützung von Rudolf Trebitsch für Verein, Sammlung und Museum aus der internen wie öffentlichen Wahrnehmung.

Inszenierte Heimat: Glasdias zwischen Volksbildung, „Heimatpflege“ und Ideologie


Wie volkskundliches Wissen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über Bilder geordnet, vermittelt und öffentlich inszeniert wurde, zeigt sich an einem Bestand von Glasdias, der zwischen 1927 und 1937 im Volkskundemuseum Wien inventarisiert wurde. Die Dias dienten als Projektionsbilder für Vorträge und in der Lehre, verweisen aber zugleich auf die (kultur-)politischen Kontexte ihrer Herstellung und Nutzung. Mehr als die Hälfte der Serie gelangte 1936 als Schenkung aus den Beständen des Vereins Deutsche Heimat an das Museum. Die Motive konzentrieren sich auf Tracht, Brauch, Religion, Flur- und Kleindenkmäler sowie Arbeit.

Zuletzt digitalisiert