Welt der Bergleute
Innerhalb der Krippenberge begegnet man sehr häufig denBergleuten. In der Kieninger- Krippe sieht man einen Berg-knappen, wie er einen Hunt aus dem gemauerten Stollen, derdas Doppeladlerwappen trägt, herausschiebt. Georg Kienin-ger, selbst Salinenarbeiter in Hallstatt, stattete seine Krippemit einem filigranen Mechanismus aus, der es ermöglichte,dass sich viele Figuren bewegten. Der Knappe fuhr also ur-sprünglich beim Mundloch aus und ein. Zwei andere Knap-pen kurbelten hingegen permanent an einer großen Winde,um Kübeln in den Stollen abzutäufen. Kieninger war die Weltder Bergleute sehr vertraut. Das trifft sicher auch auf den un-bekannten Erbauer der Kastenkrippe aus der Ausseer Gegendzu, der eine Bergmannsfigur einen Schubkarren in den Stollenschieben lässt.
In der Hohenlohe- Krippe wie in der Rinner- Krippe steht dieBergmannsszene im Mittelpunkt des Krippenberges. Da wiedort sieht man die winzigen Figuren in ihrer weißen Arbeits-kleidung bei den Stolleneingängen mit Schlägel und Eisenwerken. Mittels eines Huntes wird das Abraummaterial zueinem Scheider geführt, der in einem Bottich das taube Ge-stein vom Erz trennt. Daneben hantiert ein weiterer Knappean einer Wasserrinne mit einem Sieb. Es dürfte sich um einenGoldwäscher handeln.
Wenn man bedenkt, dass Weihnachtskrippen vorwiegend inBergwerksregionen anzutreffen sind, im Erzgebirge, im Salz-kammergut, in Tirol um Hall, in der Steiermark um den Erz-berg, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Welt der Berg-leute in ihnen widerspiegelt. Es sind nämlich vielfach die rundum das Bergwesen Tätigen, denen die kleinen Wunderwerkezu verdanken sind. Dafür sind wohl mehrere Gründe maßgeb-lich. Zum einen war den Bergleuten wie kaum einem anderenBerufsstand bewusst, wie sehr ihr Schicksal in der Hand hö-herer Mächte lag. Als gläubige Menschen hatten sie daher einebesonders enge Beziehung zum Jesuskind. Zum anderen hat-ten die Bergleute im Gegensatz zur bäuerlichen Bevölkerungeine geregelte Arbeitszeit. Außerdem verfügten viele überausreichend technische und künstlerische Fähigkeiten, die siebefähigen, sich in der Freizeit mit dem Bau von Krippen zubeschäftigen. Es konnten dabei sogar in Kisten eingepasste,mechanische Bergwerke entstehen, mit denen sie in den Win-termonaten auf Märkten auftraten. Diese kleinen Meisterwer-ke geben jedenfalls einen guten Einblick in die Arbeitswelt derBergleute.
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