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Weihnachtskrippen : Spiegelbilder vergangener Lebenswelten ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 30. November 2008 bis 1. Februar 2009]
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Tafelfreuden

Zu den Lieblingsmotiven barocker Krippenkunst zählt dieDarstellung der Hochzeit zu Kana". Sie bietet die Möglichkeit,höfische Festkultur zu veranschaulichen. Das ÖsterreichischeMuseum für Volkskunde besitzt einige vorzügliche Exemplare,in denen das biblische Geschehen in ein sozial- und zeitgebun-denes Milieu transferiert wird. Die Hochzeit zu Kana aus derRinner- Krippe etwa darf zu den eindruckvollsten Stücken hei-mischer Schnitzkunst gerechnet werden.

Eine Säulenarchitektur von hohem Rang, mit einer luftigenMittelhalle und zwei Pavillons an den Seiten bieten den Raumfür das Fest. In der Mitte befindet sich die mit winzig kleinen

Speisennachbildungen gedeckte Tafel, an der das Brautpaar( in der Mode der Renaissance), die dazugehörigen Eltern,Jesus und Maria( an ihrer klassischen Ikonographie leichtzu erkennen) sitzen. Maria hat offenbar ihren Sohn geradeaufmerksam gemacht: Sie haben keinen Wein mehr. Dennwährend in der offenen Küche links gebacken und gebratenwird, steht der Betrieb im Keller links still, die Krüge sind an-scheinend leer, wie der Kellermeister sehr deutlich vorführt.Aber die übrige Hochzeitsgesellschaft feiert einstweilen nochlaut und lustig weiter. Diensteifrig sorgen Speisenträger undMundschenke für den gastlichen Nachschub.