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Weihnachtskrippen : Spiegelbilder vergangener Lebenswelten ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 30. November 2008 bis 1. Februar 2009]
Entstehung
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Vom Wesen der Krippe

Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln undlegte ihn in eine Krippe, weil für sie kein Platz in der Herberge war."

Mit diesen Worten überliefert uns der Evangelist Lukas dieGeschichte der Geburt Christi. Sie transferieren das göttlicheGeschehen auf eine menschliche Dimension, in dessen Mit-telpunkt die mit Stroh gefüllte Futterkrippe beziehungsweiseder geflochtene Korb stehen. Die frühesten bildlichen Dar-stellungen zeigen das in der Krippe liegende, von Ochs undEsel bewachte Jesuskind, und bis ins Mittelalter diente dieKrippe während der mitternächtlichen Liturgiefeier beimKindlwiegen als wichtigstes Requisit. Die zentrale Stellungder Krippe geht auch daraus hervor, dass selbst der Ort, andem sie steht, den Namen übernimmt. Der Stall oder dieGrotte beziehungsweise eine Verbindung von beidem werdenhinkünftig als Krippe benannt. Ad presepe, bei der Krippe,heißt demnach bereits im 7. Jahrhundert die Kirche SantaMaria Maggiore, da hier eine erste Nachbildung der Geburts-grotte installiert wurde, in der angeblich die von Kaiserin He-lena nach Rom gebrachten wahren" Bretter des Futtertrogesaus Bethlehem verehrt werden. Davon wiederum stammt je-ner Span, den sich Kaiser Karl IV.( 1347-78) von Papst UrbanV. im Jahre 1362 erbeten hatte und der als Reichskleinodiein der Weltlichen Schatzkammer" der Wiener Hofburg auf-bewahrt wird.

Die Rekonstruktion des Geburtsortes in Verbindung mitReliquien ersetzte die Pilgerreise zum Originalschauplatz.

In den nachgestellten Bethlehems" trifft man seit dem spätenMittelalter zudem das weihnachtliche Personal, Maria undJosef, die Hirten vom Felde, und insbesondere die Magier.In Gestalt von Figuren aus Marmor, Terrakotta oder Holzversammeln sie sich, um das Neugeborene in der Krippe zuverehren. Sie dienen dazu, das Wort lebendig und anschau-lich werden zu lassen. Denn das Wort ist Fleisch geworden undhat unter uns gewohnt."( Joh. 1,14) Die Nachbildung des Ortesund der handelnden Personen ermöglicht die unmittelbareAnteilnahme und die wiederholte Vergegenwärtigung desWeihnachtsmysteriums. Um die Vermittlung dieser Botschafthaben sich besonders die Franziskaner verdient gemacht. Sietransferierten das weihnachtliche Geschehen in die heimischeLandschaft und füllten diese mit bodenständigen Akteuren.Sie legten damit die Basis für die innige Beziehung zur Krippe,die besonders während der Weihnachtszeit spürbar wird unddie ihren nachhaltigen Stellenwert begründet.

Um 1600 bildeten die Krippen auch für die Jesuiten einenwichtigen Ansatzpunkt ihrer Katechese. Neben den zahl-reichen Christi- Geburt Spielen zogen die inzwischen vielfigu-rigen, ins Prunkvolle gesteigerten barocken Weihnachtskrip-pen in den Kirchen die Aufmerksamkeit auf sich. Von hierwar der Schritt in die adeligen Salons und in die bürgerlichenWohnstuben nicht mehr groß.

Einleitung: Vom Wesen der Krippe

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