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Weihnachtsgeschichte in Szenen
In den großen Landschaftskrippen können die Akteure wie imTheater umgruppiert werden. Figuren werden ausgewechselt,müssen in den Hintergrund treten und anderen den Vortrittlassen. Die Handlung verlagert sich auf Nebenschauplätze, beider Herbergsuche etwa vor das Gasthaus, bei der Beschneidungin die Synagoge, bei der Darbringung in den Tempel, beim Kin-dermord vor den Thron des Herodes. Bei den Kastenkrippenist ein derartiges Hantieren nicht möglich. Sie präsentierensich als Simultanbühnen, in denen Vieles gleichzeitig passiert.In ihnen finden sich die Herbergsuche und die Anbetung derHirten neben der Huldigung der Könige. Für das weitere Ge-schehen bieten die Kastenkrippen keinen Platz. Es war dahernotwendig, die weiteren Szenen des Evangeliums außerhalbder Kastenkrippen aufzustellen. Dazu wurden die Figuren inder Regel auf eigene Tableaus montiert beziehungsweise da-für eine eigene Architektur geschaffen. Der Zwölfjährige Je-sus sitzt im Tempel( im Hause des Herrn), für die Hochzeit zuKana ist die Festtafel in palastartigen Gebäuden gedeckt.
Ein besonders kunstvolles Beispiel für die Gestaltung derWeihnachtsszenen bietet die Rinner- Krippe. Die kleinenSchnitzwerke aus der Zeit um 1760 sind von außerordent-licher Qualität. Einige der zierlichen lebensechten Figuren tra-gen aus Bein geschnitzte Köpfe, was vermuten lässt, dass siedas Werk des aus Hall in Tirol gebürtigen Schnitzers und El-fenbeindrechslers Franz Spindler( 1693-1782) sein könnten.Diese Nebenszenen sind eine genaue Wiedergabe der entspre-chenden Bibelstellen:
Herbergsuche
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Lukas 2, 4-5:„, Auch Joseph zog von Galiläa aus der StadtNazareth hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehemheißt, weil er aus dem Geschlechte Davids war, um sich mit Maria,seiner Verlobten, die schwanger war, eintragen zu lassen."
Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem
Geschnitzte und farbig gefasste Figurengruppe der Rinner- Krippe.Josef trägt einen Werkzeugkorb auf dem Rücken
und führt den Esel, die hochschwangere Maria geht voran.Tirol; 18. Jahrhundert
ÖMV/ 53.670b/ 71