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Weihnachtskrippen : Spiegelbilder vergangener Lebenswelten ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 30. November 2008 bis 1. Februar 2009]
Entstehung
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Hohenlohe- Krippe

Mit ihrem klassischen Aufbau und den winzigen Figurenliefert die Hohenlohe- Krippe ein besonders eindrucksvollesBeispiel einer Kastenkrippe. Sie trägt diesen Namen, weil siebereits seit Generationen im Besitz der Familie Hohenlohesteht. Die Hohenlohes konnten die Krippe aus dem Nachlassvon Franz Emmanuel Graf von Lamberg( 1832-1901) erwer-ben, der nicht nur ein bedeutender Messer-, sondern auch einKrippensammler war. Er besaß in Steyr eine umfangreiche,, Puppensammlung" und zwar barocke, bekleidete Krippenfi-guren, die heute im berühmten Innerberger Stadel, dem Sitzdes Heimatmuseums der Stadt Steyr, zu besichtigen sind.Als Hersteller der Hohenlohe- Krippe kommt möglicherweiseder in Sterzing tätige Schnitzer August Alois Probst( 1758-1807) in Frage. Ein Vergleich mit der berühmten Salonkrippe"im Brixener Diözesanmuseum, die er für seinen Gönner, denFürsterzbischof Franz Karl Xaver Graf von Lodron schuf, legtdiese Vermutung nahe. Auch die Kastenkrippe von Völs amSchlern und jene des Innsbrucker Volkskunstmuseums wei-

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sen auf dieselbe Handschrift hin. Der geschwungene Kastenund der Aufbau des Krippenberges im Innern stimmen auf-fällig überein. Während in diesen Krippen auch die Passiondargestellt wird die Salonkrippe" in Brixen mit etwa 5000Figuren bildet sogar eine Jahreskrippe, die den Sonntagsevan-gelien folgt, widmet sich die Hohenlohe- Krippe ausschlieẞ-lich der Weihnachtsthematik. Die Spezialität von August AloisProbst waren jedenfalls die kleinen, feinnervigen Figuren, de-ren Fertigung eine hohe Meisterschaft verlangte.August Alois Probst war von Geburt an körperlich schwer be-hindert. Er konnte aber seine Schnitzkunst, die er vermutlichvon seinem Vater Josef Probst als Autodidakt erlernte, aus-üben. Auch seine zwei Brüder betätigten sich als Schnitzer vonKrippenfiguren. Manche Krippen entstanden gemeinsam mitseinem jüngeren Stiefbruder Joseph Benedikt( 1773-1861).Da nicht leicht zu entscheiden ist, von welchem der Familien-mitglieder eine Krippe gefertigt wurde, spricht man allgemeinvon Krippen der Familie Probst.

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Hohenlohe- Krippe

Geschwungene Kastenkrippe aus zwei Teilen bestehend,marmoriert, im Oberteil Krippenberg aus gesteiftem Papier mitGlimmer, Figuren geschnitzt und gefasst, im Untersatz sechsSzenen aus dem Weihnachtsevangelium auf Platten montiert.Vermutlich Arbeit von August Alois und Joseph BenediktProbst.

Sterzing, Südtirol; Ende 18. Jahrhundert

Leihgabe Karl Hohenlohe