Freizeitvergnügen
Am Schießstand
In den Weihnachtskrippen findet sich die Musik gelegentlichnoch in anderen Zusammenhängen. Da kann man eine Szeneentdecken, bei der sich einige Schützen dem Vergnügen desScheibenschießens hingeben. Wir kennen derartige Darstel-lungen aus zahlreichen Bildbelegen. Die plastische Darstel-lung einer Schützengesellschaft, wie sie die Rinner- Krippezeigt, ist jedoch einmalig. Das Scheibenschießen, diese rit-terliche Kurzweil, wie es in den Schriftstücken heißt, war einmännliches Vergnügen, das nur bestimmten Sozialschichtenvorbehalten war. Im Umkreis der Inntalstädte waren das vor-züglich Bergoffiziere, Beamte und bürgerliche Hausbesitzer. InTirol standen die Schießstände aber auch den freien Bauernoffen. In Tirol gab es nämlich eine enge Verflechtung zwischenden Schützengesellschaften und dem freiwilligen Aufgebotder Standschützen. Es ist daher nicht verwunderlich, in dieser
Szene einen Tambour mit der Landsknechttrommel anzutref-fen. Ihm kam die Aufgabe zu, die Treffer mit einem entspre-chenden Trommelwirbel zu untermalen. Die Trefferanzeigeoblag dem Zieler, der, angetan mit einem Harlekinskostümund dem zu ihm passenden Haarknoten, mit allerlei Verren-kungen den Schützen seine Komplimente macht. Am Tischwerden die Treffer notiert.
Auf dem Land begnügte man sich mit frei aufgerichtetenScheiben. Wie sehr die Welt der Scheibenschützen dem Schnit-zer vertraut war, zeigen die kleinen Zwecke in den rundenScheiben. Sie tragen die Nummer des Schützen und halfen beider Auswertung der Treffer. Man schoss damals auf weite Dis-tanzen mit Vorderladergewehren, bei denen selbstgegossene,großkalibrige Kugeln zum Einsatz kamen, auf kurze Distan-zen mit Windbüchsen.
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Scheibenschießen
Die geschnitzte und farbig gefassteFigurengruppe aus der Rinner- Krippezeigt Bürger und Bauern beim Schei-benschießen. Der Trefferschreiber mitDreispitz sitzt am Tisch, neben ihm derTrommler. Vor den beiden Scheiben derTrefferzähler im Narrenkostüm.
Tirol; um 1760
ÖMV/ 53.670/ b080
Schützenscheibe
Runde Holzscheibe, auf weißem Grundfarbig bemalt: Zwischen der Inschrift eineschwarze Zielscheibe auf einem Podestzwischen zwei flammenden Schalen,darüber brennende Herzen mit Vergiss-meinnicht.
,, Kommt all her und zielet festAufs Centrum mit den BüchsenEs gilt gar manche schöne BestVon Schimmeln wie von Füchsen
Ihr Schützen nur wohl aufgepaẞtBeim Schießen half ein Haggender den der Wind nicht sitzen laẞtder wird ein Best derpaken."
Die Scheibe wurde beschossen, die Namender Schützen in Bleistift vermerkt.
Datiert 1831ÖMV/ 76.087
Zimmerstutzen
Windbüchse mit Stecherabzug und gezo-genem Lauf. Hinterlader zur Verwendungvon Bolzen für Zimmerentfernung. DerAntrieb der Bolzen durch eine im Kolbenuntergebrachte Windlade, die mit einemSchlüssel über den Vierkant an derrechten Seite des Kolbens gespannt wird.Ausgelöst wird der Schuss durch einenfein regulierbaren Stecherabzug. Entlade-stock unter dem Lauf dient zum Entfer-nen stecken gebliebener Bolzen. Reich mitgravierten Messingbeschlägen verziert.Backenauflage am Kolben mit geschnitte-nem Füllhorn, Ledergurt mit Wollstickereiauf Seide mit Jagdmotiven. Gefertigt vonBüchsenmacher Dasch in Graz.Graz; 1. Hälfte 19. JahrhundertÖMV/ oNr/ 3.644