Skeptizismus:„ Ich glaube von jedem Menschen das Schlechteste,selbst von mir, und ich habe mich noch selten getäuscht."( J. Ne-stroy:„, Die beiden Nachtwandler")
Die Figuren in Nestroys Komödien sind Marionetten sozialerund politischer Kräfte, der Zufall stellt sich als höchste Macht ein.Die wahre Kunst Nestroys zeigt sich in seinen wortgewandten, witzi-gen und geistsprühenden Dialogen. Meisterhaft gelingen Nestroyauch die Parodien: Ob er nun in ,, Judith und Holofernes" gegen Heb-bel Stellung nimmt oder in seinem„ Robert der Teuxel" Meyerbeerverspottet oder mit der„ Tannhäuser- Parodie" Wagner aufs Kornnimmt immer werfen seine Parodien auch ein Licht auf die erfolg-reichen theatralischen Produktionen der Zeit, auf den gängigen Ge-schmack des Publikums.
Auch in der Auseinandersetzung mit den anderen Theaterfor-men war das Altwiener Volkstheater aktuelles Theater im besten Sin-ne des Wortes.
Weder die Dramen Ferdinand Raimunds noch Johann NestroysWerke sind ohne Wissen um den barocken Kulissen- und Maschi-nenzauber ganz zu verstehen. Die Dramaturgie all der Zauber- undMärchenstücke, der Ritter- und Schauerdramen war auf die Voraus-setzungen der Maschinenbühne hin konzipiert. Schräggestellte Kulis-sen begrenzten den seitlichen Bühnenraum, Soffitten deuteten dieDecke an. Innenräume konnten durch Verkürzung der Bühne mittelseines Zwischenvorhanges dargestellt werden. Die Bühnentiefe derAltwiener Theater war erstaunlich: Das Theater in der Leopoldstadtbesaß fünf, das Theater an der Wien sogar bis zu 18 Kulissengassen;die Hinterfront dieses Theaters konnte geöffnet werden und bis zu,, 500 Menschen und 50 Pferde für Aufzüge aufnehmen". Mit demText eines Altwiener Stückes wurde nach Bedarf auch gleich dasModell für die Maschinerie verkauft.
Das Theater„ nächst der Burg"
Als Joseph II. das Theater„, nächst der Burg", das vorwiegendvon französischen Truppen bespielt wurde, zum„, k. k. Hof- und Natio-naltheater" erhob, war dies ein theatergeschichtliches Ereignis vongroßer Bedeutung. Im Sinne der Aufklärung wollte Joseph II. eineStätte schaffen, wo vorwiegend das deutsche Schauspiel gepflegtwerden sollte. Die Schauspieler wurden zu„, k. k. National- Hofschau-spielern" ernannt und gewannen mit dieser Erhebung Ansehen undwirtschaftliche Sicherheit. Die oberste Verwaltung oblag dem Kaiser,Gesetze für die Schauspieler und den Betrieb wurden ausgearbeitet,die zum Teil bis heute nachwirken. Das vielgerühmte Burgtheater-ensemble hat hier seinen Ursprung, sein Ruhm wurde künstlerischmittels intensiver Probenarbeit gefestigt und moralisch verstärkt
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