hut( 1776–1841), der noch einmal die Typenkomik des Hanswurstsauf die Wiener Bühne brachte.
Mit dem Schauspieler- Dichter Ferdinand Raimund( 1790- 1836)erfuhr das Wiener Volkstheater seine poetische Erfüllung. Raimundbegann aus dem Mangel an gutgebauten Stücken zu schreiben. DasNeue an Raimunds Dramatik liegt wohl an seiner lebendigen Men-schenzeichnung. Lachen und Weinen, Heiterkeit und Skepsis sind inseinen Rollen vereinigt. Jede Regung, jeder Gefühlausdruck ist ausdem Innersten der Figur motiviert und verständlich gemacht.„ DasMädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär“( 1826) warRaimunds erster durchgreifender Erfolg als Dichter. Als Komiker warer bereits bekannt und beliebt.
„ Es liegt im Hintergrund dieses fröhlichen Spiels etwas Tieferes, dessen Nähe auchselbst jener Zuseher fühlt oder mindestens ahnt, der sonst gewohnt ist, nur die Oberflä-che zu beschauen. Man lächelt oft mit einer Art wohltuender Wehmut, man lacht, ohnesich des Lachens hinterher schämen zu müssen. So viele gute Gedanken das auch imeinzelnen enthält, so ist doch das Räderwerk desselben, die einzelnen Figuren in ihrenZusammenstellungen, die Führung des ganzen Stückes eigentlich das, was am mei-sten von dem Genie des Verfassers zeigt... Es gibt kein Wort, welches den Beifall aus-drückt, das es erhielt."( Diese Kritik stammt von einem abgebrühten Kritiker der„ Abend-zeitung"; zit. nach V. Klotz: Dramaturgie des Publikums, S. 57/58)
Bildhaft erlebten die Zuschauer hier die politische, wirtschaftli-che, gesellschaftliche und soziale Situation ihrer Zeit wieder, die sieunbewußt verunsichert: einerseits ein schwacher, unsicherer Staat,der ängstlich bestrebt war, alle kritischen Äußerungen seiner Bürgerzu unterdrücken( das Metternichsche Staatssystem sah im Volks-theater zunächst ein willkommenes Mittel, die Bürger von der Wirk-lichkeit abzulenken, erkannte aber bald seine kritische Intention undkontrollierte Text und Inhalte durch strenge Zensurbestimmungen.Mit Hilfe von spielerisch- artistischen Mitteln konnte das Theater aberöfters die Zensur umgehen, sei es, daß Handlungen in eine märchen-hafte oder mythologische Welt versetzt wurden oder der Schauspie-ler das Extemporieren perfektionierte), andererseits ein durch Indu-strialisierung und Technisierung erstarktes, wohlhabendes Bürger-tum, das aber politisch machtlos war, und sich in die Häuslichkeitzurückziehen mußte. Merklich geänderte soziale VerhältnisseIndustrie brachte das Stadtproletariat mit sich Steuererhöhungen,MiBernten, Spekulationsfieber: alles in allem herrschte eine Situationhaltloser Unsicherheit. In den Stücken Raimunds nun erleben dieMenschen nicht die„ gleichen Verhältnisse, aber entsprechende wieim Alltag", und das war sicherlich ein Grund für den Erfolg der Dra-men Raimunds.
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Johann Nestroy( 1801-1862) ist der letzte große Volkskomö-dien- Dichter der Biedermeierzeit. In seinen Stücken demaskiert er dieWelt des biedermeierlichen Bürgers mit Wortwitz und Satire. Ne-stroys Komik desillusioniert, wirkt aggressiv, seine Grundhaltung ist
PAPIERTHEATER 11